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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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Es  kam  das  Jahr  1848,  das  auch  für  die  Landwirthschaft  Ungarns  epochemachend
wurde.  Das  Urbarialwesen  hörte  auf,  die  Aufhebung  der  Hörigkeit  wurde  ausgesprochen,
der  Ackerbauer  wurde  selbständiger  Herr  seines  Grundbesitzes.  Nach  1855  wurde  infolge
der  Grundbuchsverordnung  commassirt  die  Weiden  wurden  abgesondert,  zum  Theile
umgebrochen,  was  die  landwirthschaftliche  Gebahrung  im  ganzen  Lande  veränderte.  Alle
kleinen  Besitzer,  aber  auch  viele  große,  brachen  den  ihnen  zugefallenen  Antheil  der
Gemeinweide  um,  was  die  Viehzucht  des  Landes  auf  lange  Jahre  hinaus  beeinflußte,  indem
es  vor  Allem  die  Zahl  der  Thiere  verringerte.  In  den  Fünfziger-Jahren,  besonders  aber
im  Jahre  1861  waren  die  hohen  Getreidepreise  von  verführerischem  Reiz  zu  Gunsten  des
Getreidebaues,  die  Viehzucht  wurde  sowohl  vom  kleinen  als  vom  großen  Grundbesitzer
vernachlässigt,  „Weizen"  war  das  Schlagwort  und  Jedermann  war  bestrebt,  so  viel
Weizen  als  möglich  zu  produciren,  aber  nur  die  geschulten  Landwirthe  pflegten  auch  dem
Boden,  was  ihm  durch  diese  Cultnr  entzogen  worden  war,  wieder  zu  erstatten.  So  bildete
sich  eine  Art  Raubwirthschaft  heraus,  die  geradenwegs  zur  Armuth  führte.
Als  die  leitenden  Männer  sahen,  daß  die  auch  theoretisch  gebildeten  Landwirthe  nicht
diesen  unrichtigen  Pfad  gingen,  erkannten  sie  als  besten  Führer  auf  den  richtigen  Weg  die
Verbreitung  der  Fachkenntniß  und  bestrebten  sich  Lehranstalten  zu  errichten,  an  denen
Jeder,  der  die  landwirthschaftliche  Laufbahn  einznschlagen  wünschte,  sich  die  nöthigen
Kenntnisse  aneignen  konnte.  In  Keszthely,  Debreczin,  Kolozs-Monostor  und  Kaschau
wurden  nach  einander  landwirthschaftliche  Anstalten  eröffnet  und  überdies  an  verschiedenen
Orten  Ackerbau-  und  Weinbauschulen  gegründet.  Auch  die  Fachliteratur  nahm  einen
stärkeren  Aufschwung.
Und  welches  ist  das  gegenwärtige  Bild  der  Landwirthschaft  in  Ungarn?  Haben  etwa
die  Verschiedenheiten,  welche  in  den  verschiedenen  Gegenden  des  Landes  bestanden,  aufgehört? ­
  Nein,  sie  bestehen  noch  jetzt  und  sie  werden  auch  fernerhin  bestehen.  Geographische
und  klimatische  Verhältnisse,  Beschaffenheit  des  Bodens  und  die  Menschen  selbst,  welche
den  Landbau  betreiben,  sind  in  Ungarn  so  verschieden,  daß  die  ungarische  Landwirthschaft
allezeit  höchst  abwechslungsvoll  bleiben  wird.
Was  sehen  wir,  wenn  wir  heute  den  Blick  über  das  Land  Hingleiten  lassen?  Sehen
wir  noch  jene  endlosen,  grasigen  Puszten,  jene  unbegrenzten  Weidegründe,  welche  keine
Pflugschar  jemals  geritzt  hat?  Wohl  erblicken  wir  hier  und  da  auch  noch  solche,  sehen  wir
uns  aber  im  westlichen  Theile  des  Landes  um,  im  sogenannten  Lande  „jenseits  der
Donau",  so  werden  wir  auch  gewahren,  daß  die  Landwirthschaft  daselbst  streckenweise
schon  in  der  Verfassung  ist,  erfolgreich  mit  der  der  vorgeschrittenen  Länder  Europas  zu
wetteifern.  An  vielen  Orten  bearbeitet  der  Kleingrnndbesitzer  seinen  Boden  gartenmäßig,
jedes  Fußbreit  ist  besät,  bepflanzt,  kein  Grashalm  geht  verloren  und  der  Landwirth
            
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