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Der größere Grundbesitzer zieht nur das Kammwoll-Mestize-Schaf, und es gibt auf
dem Alluvialboden des Alföld ausgezeichnete Schäfereien dieses Schlages; ihre Wolle ist
durch Kraft, schönen Glanz und Schmiegsamkeit hervorragend und daher geschützt. Neuerdings
benützt man zur Erzielung einer größeren Körperform, um auch für den Export
nach dem Auslande schwerere Hammel züchten zu können, zur Kreuzung die schweren
französischen Merinos.
Noch einen Zweig besitzt die Viehzucht des Alföld, der für dasselbe wenigstens
ebenso wichtig ist, wie die bisher behandelten, nämlich die Schweinezucht. Das Schwein
entwickelt sich in kurzer Zeit, es hat ein schmackhaftes, leicht verdauliches und, was auch
wichtig, zu längerer Aufbewahrung geeignetes Fleisch; es liefert einen wohlschmeckenden
Speck und, worin das ungarische Schwein eine Specialität ist, ausgezeichnetes Fett. Der
verewigte Palatin Josef war es, der eine unseren Verhältnissen und Bedürfnissen vollkommen
entsprechende Race ins Land einführen ließ. Die Thiere dieser Race weiden ans
Brachland und Stoppelfeld, suchen emsig Alles zusammen, was irgend eßbar ist, und überwintern
im Wald; so lange kein Frost eintritt, nähren sie sich auf sumpfigem Terrain gut
und produciren, wenn man sie mästet, vorzüglich; diese kraushaarige Schweinerace wird in
gemästetem Zustande auch von ausländischen Kunden gesucht und gern gekauft. Jene
größeren Grundbesitzer im Lande also, welche solche Weiden haben und jene kleinen Landwirthe,
die ihre Schweine ans die entfernten Weiden treiben müssen, können im Alföld nur
das kraushaarige Schwein züchten.
Der Landwirth im Alföld hat bei der Schweinezucht zwei Zwecke: entweder will
er damit den Bedarf seines Hauses decken, der ziemlich groß ist, denn man rechnet
gewöhnlich auf jedes erwachsene Familienmitglied ein gemästetes Schwein, auf jedes Kind
ein gemästetes Ferkel, oder er züchtet für den Handel und verkauft seine Schweine in einjährigem
Alter und magerem Zustande ans den großen Alföldmärkten — in Bekes-Gynla,
Groß-Wardein, Debreczin n. s. w. — den Mästern. Wie wichtig für das Alföld die
letzterwähnten Herdenschweine sind, läßt ani besten der Umstand ermessen, daß im
verflossenen Jahre von dorther jene Märkte mit über 220.000 Stück beschickt wurden.
Das Schwein des Alföld weidet entweder in bestehenden Herden oder in Tagesherden,
auch „Bandeln" genannt. Das Herdenschwein sucht der Landwirth nach Möglichkeit
gleichzeitig werfen zu lassen und hält die geworfenen Ferkel sehr gut, um sich durch ihre
gute Entwicklung einen höheren Preis zu sichern. Nach der Entwöhnung gelangt das
Ferkel auf die Weide und bleibt daselbst so lange, bis es in die Mast gelangt. Ein leichtfüßiger
Schweinehirt hütet die Herde mit Hülfe eines oder zweier Knaben; im Winter
läßt er seine Thiere unter dem Schnee suchen, im Frühling begehen sie die noch
ungeackerten Felder und das Brachland, wo, wenn die Weide gering ist, der bessere