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Leben die Eisenbahnlinien mit Dampfbetrieb: Pest-Waitzen, Pest-Szolnok und Marchegg-Preßburg,
als Theile der damaligen Central-, respective der heutigen Österreichischungarischen
Staatseisenbahn; endlich die kurze Linie Ödenburg-Katzelsdorf. Welch riesige
Entwicklung weisen seitdem das Communicationswesen und der Verkehr in Ungarn auf!
Jahrhunderte haben früher keine so großen Umwandlungen bewirkt, als jetzt Jahrzehnte.
So wurden noch um die Mitte dieses Jahrhunderts auf den im Betriebe befindlichen
Eisenbahnen Ungarns jährlich 210.000 Personen und 630.000 Metercentner Frachten
befördert; die functionirenden Postämter, etwa 500 an der Zahl, beförderten 3,422.000
Privatbriefe, 688.000 amtliche Briefe und 180.000 Stück privater und amtlicher
Fahrpostsendungen im Werthe von 40 Vr Millionen Gulden; die Länge der staatlich
verwalteten Straßen betrug etwa 4.000 Kilometer, während sich die Straßen der
Jurisdictionen auf eine Länge von 9.000 Kilometer veranschlagen lassen. Stellen wir
diesen Ziffern die heutigen gegenüber, so sehen wir einen gewaltigen Fortschritt ausgedrückt,
der sich Dank den geschaffenen Verkehrsmitteln in den gesammten wirthschaftlichen
Zuständen Ungarns bemerklich macht.
Da und dort mag der Fortschritt wohl auch zu stürmisch gewesen sein. Sehen wir
doch, daß in dem einzigen Jahre 1868 die Summe, welche den damals concessionirten
Eisenbahnen als Zinsengarantie zu Lasten des Staates gezahlt wurde, 8'/§ Millionen
Gulden betrug. Von 1869 bis 1879 wurden 3.767 Kilometer Eisenbahnen gebaut, ein
Drittel des jetzigen Bahnnetzes, und fast Alles mit staatlicher Unterstützung. Es ist
interessant, daß das Eisenbahnnetz Ungarns die ersten tausend Kilometer erst nach zwölf
Jahren (1846 bis 1858) voll hatte, das zweite Tausend aber schon in sieben, das dritte
in fünf Jahren. Von 1871 bis 1873 wächst dann das Netz jährlich schon um mehr als
tausend Kilometer. Selbstverständlich muß nach solchen stürmischen Bauperioden der Fortschritt
sich verlangsamen, bis wieder ein geordneter und natürlicher Gang der Entwicklung
erreicht ist. Gegenwärtig werden jedes Jahr 500 bis 600 Kilometer neuer Eisenbahnen
eröffnet, und zwar was vom Standpunkte des Staatsschatzes besonders beruhigend ist,
ohne den Staat nennenswertst zu belasten.
Einige Eisenbahnlinien des Landes sind auch in constructiver Hinsicht überaus
bemerkenswert!) und gewähren zugleich, Dank der vielgestaltigen Natnrschönheit der
betreffenden Landstriche, ein touristisches Interesse. Als solche erwähnen wir: die den
Karst durchsetzende Linie Karlstadt-Finme, die Linie Munkacs-Beskid mit ihren gewaltigen
Einschnitten, Thalüberbrücknngen und dem zweitlängsten Tunnel der Monarchie, die
Ostbahn mit ihren romantischen Scenerien und schwer zu erklimmenden Wasserscheiden,
die Semliner Linie von da an, wo sie die Stätten erreicht, an welche sich so verschiedenartige
Erinnerungen ans der Geschichte Ungarns knüpfen, die herrliche Waagthalbahn