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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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und auf der nördlichen Linie der ungarischen Staatsbahnen besonders die ebenso lehrreiche 
als unterhaltende Strecke Altsohl-Rnttek mit ihrer Fortsetzung, der Kaschau-Oderberger 
Eisenbahn. 
Diese Entwicklung des Eisenbahnnetzes versorgt jetzt schon bedeutende Fabriken und 
Industriezweige mit fester Beschäftigung. Die Budapester Maschinenfabrik der königlich 
ungarischen Staatseisenbahnen und die mit ihr verbundene Eisen- und Stahlfabrik zu 
Diösgyör fabriciren besonders Locomotiven, eiserne Brückenconstructionen und Stahl 
schienen. Die Resiczaer Fabrik der Österreichisch-ungarischen Staatsbahngesellschaft erzeugt 
Schienen, die Ganz'sche Fabrik zu Budapest Eisenbahnwaggons. Auch anderweitiger 
Eisenbahnbedarf nebst Ausrüstungsgegenständen wird dermalen schon größerentheils im 
Lande selbst erzeugt, während all dies vorher vom Auslande bezogen werden mußte. 
Unsere Skizze wäre lückenhaft, wollten wir nicht auch schon an dieser Stelle die 
Grundidee des Systems der Staatseisenbahnen besonders hervorheben. Schon frühzeitig 
tritt sie deutlich hervor in den leitenden Ideen der Nation über ihre Aufgaben auf dem 
Gebiete des Verkehrswesens, gelangt jedoch erst im jüngsten Jahrzehnt zur Verwirklichung, 
indem das Netz der königlich ungarischen Staatseisenbahnen geschaffen wird, kraft dessen 
der Staat auf die Verkehrspolitik, welche für die Entwicklung der wirthschaftlichen 
Zustände so hochwichtig erscheint, einen entscheidenden Einfluß ausübt und die führende 
Rolle behauptet. Jene leitenden Ideen, welche hinsichtlich der Eisenbahn-Concessionen 
und -Bauten im Interesse des Landes vor Augen zu halten wären, finden wir schon 
umschrieben in den interessanten Zeitungs- und Reichstagsdebatten der Vierziger-Jahre: 
Die geradeste und kürzeste Linie nach auswärts und dadurch zugleich eine möglichst billige 
Massenbeförderung, auf welche das Land durch seine Rohproducte hingewiesen ist; 
Anlage der Verkehrsadern mit steter Rücksicht auf die Landeshauptstadt, von der aus der 
eommercielle Blutumlauf bis an die Grenzen des Landes hinpulsirt; endlich directer 
Einfluß des Staates wenigstens auf die Hauptlinien des Verkehrs. 
Diese Grundsätze wurden jedoch bei der Durchführung leider zum Theil außer Acht 
gelassen und waren später nur noch unter ansehnlichen Opfern zu verwirklichen. Zwar 
wünschten auch die damals maßgebenden Factoren die Hauptverkehrslinien als Staats 
bahnen auszubauen, wozu auch in der That ein Anfang gemacht wurde, unter dem 
Druck der späteren Finanzkrise jedoch gelangten sie in Privatbesitz. So gingen die 
sogenannte Österreichische Staatsbahn (das sind die Linien der jetzigen Österreichisch 
ungarischen Staatseisenbahngesellschaft) und die südliche Staatsbahn in die Hände von 
Privatgesellschaften über. Außer den Linien dieser beiden Gesellschaften, welche den 
wichtigsten Verkehrsrichtungen entsprachen, war im Jahre 1867 auch die Theiß-Eijen- 
bahn schon coneessionirt und ausgebant.
	        
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