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standen die zahlreichen Hofbediensteten (Jäger, Fischer, Köche, Falkner, Wagner, Zimmcrleute,
Schmiede und andere), die vom Könige Boden zugewiesen erhielten, für dessen
Nutznießung die männlichen Nachkommen zu bestimmten Dienstleistungen verpflichtet
waren. Solche Hofdienstlente wurden in großer Anzahl auch von Prälaten und Vornehmen
gehalten, welche ihre Höfe nach Art des Königshofes einrichteten.
Die ungarische Nation, welche selbst nach ihrer Ansiedlung noch hundert Jahre lang
zu Pferde und in Zeltlagern ein kriegerisches Leben führte, machte unter der mehr als
vierzigjährigen Regierung Stefans eine große Umwandlung durch: sie ließ sich in festen
Wohnsitzen nieder und gewöhnte sich an das Ackerbauleben. Die aus dem Zeitalter Stefans
erhalten gebliebenen Stiftungsbricfe von Klöstern geben bereits Zeugniß von der Verbreitung
des Acker- und Weinbaues, von der Ausübung der Handwerke. Daß die Magyaren
den Ackerbau von den unterjochten Slaven erlernten, beweisen die aus dem -Llavischen
entlehnten Ausdrücke für die Bodenbearbeitung (Korona Egge, barä^cia Furche, as^ta^
Getreidehaufen, Aorekt^e Rechen, po7.äorja Spreu, lras^a Sense, Irapa Haue u. s. f.);
in den Handwerken dagegen waren ihre Meister die eingewanderten Deutschen, obzwar die
Magyaren einige selbst im Steppenleben nothwendige Handwerke, wie Waffenschmiedekunst,
Sattlerei, Riemerei, Gerberei, Goldschmiedeknnst sicherlich noch aus ihrer Urheimat
mit herübergebracht hatten.
Stefan nahm, um sein Umgestaltungswerk zu beschleunigen, mit Freuden alle
Missionäre, alle seinen Hof aufsuchenden christlichen Ritter, alle im Lande sich ansiedelnden
deutschen, italienischen, slavischen und petschenegischen Kolonisten auf. In der an seinen
Sohn gerichteten Ermahnung, in welcher er von den königlichen Pflichten und Tugenden
mit erhabener Auffassung spricht, legt er den Schutz, die Förderung der Fremdeil seinem
künftigen Nachfolger ganz besonders ans Herz, indem er betont: „ein Land mit erner
Sprache und einer Sitte ist schwach und gebrechlich". Es wäre aber ein Jrrthnm, ihn
wegen dieses Spruches der Vorliebe für das Ausländische, der Verachtung vaterländischer
Sitten und Gebräuche zu zeihen. Vielmehr war er es, der es seinem Sohne zur Pflicht
machte, daß er dem Beispiele der Vorfahren folge, denn „welcher Grieche könnte die Lateiner
nach griechischer Sitte und welcher Grieche die Griechen nach lateinischer Sitte regieren?
Daß Stefan während seiner langen Regierung schwere Kümpfe zu bestehen hatte,
geht ans den an seinen Sohn gerichteten Worten hervor, denen zufolge er fast sein
ganzes Leben unter Kriegsstrapazen und Bekämpfung der Invasionen verschiedener Völker
zubrachte. Aus der Reihe dieser Kriege erwähnt die Geschichte blos die Niederschlagung
des das Heidenthnm verfechtenden jüngeren Gynla und die engere Verbindung Siebenbürgens
mit dem Reiche (1002), ferner die Niederwerfung der benachbarten Pctschenegen
(1003), die Kriege, welche Stefan als Verbündeter Heinrichs II. gegen den polnischen