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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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Thron znrückerobern könnte. Dieser verzweifelte Versuch fiel jedoch unglücklich aus. König 
Ladislaus zermalmte die kumanische Invasion bei Munkäcs (1086). 
Der unstat und flüchtig gewordene Salomon machte zum Schluß gemeinsame Sache 
mit den Petschenegen, welche das byzantinische Reich beunruhigten, und fand seinen Tod 
in einer verlorenen Schlacht. 
Ungarn, nach dem Tode Stefans bald vierzig Jahre lang in Aufständen und Partei 
kämpfen blutend und selbst in seiner Unabhängigkeit bedroht, gewann unter der kraftvollen 
Regierung des Königs Ladislaus rasch seine frühere Macht und Bedeutung wieder, ja 
es hatte sogar Gebietserweiterungen zu verzeichnen. Als nach dem Tode des kroatischen 
Königs Zvonimir der Bürgerkrieg einige Jahre lang Kroatien verheerte, führte Ladislaus 
seine Scharen nach Kroatien zum Schutze seiner Schwester Helene, der Witwe des ver 
storbenen Königs. Er eroberte einen Theil des Landes und errichtete zwischen der Drau 
und Save, in dem heutigen Kroatien, das Agramer Bisthnm zur Stärkung des dort noch 
schwachen Christenthums (1091). 
Von jenseits der Dran eilte Ladislaus mit seinen Scharen den hereingebrochenen 
Kumanen entgegen, welche jenseits der Theiß plünderten. Die sich zurückziehenden 
knmanischen Haufen vernichtete er fast gänzlich an der Temes und erfocht einen noch 
glänzenderen Sieg an der unteren Donau, als die Kumanen, um wegen der erwähnten 
Niederlage Rache zu nehmen, abermals eingebrochen waren. Ladislaus tödtete eigenhändig 
ihren Führer Äkos. 
Den Tod des frommen, ritterlichen, heldenhaften Königs Ladislaus (20. rnili 109ii) 
beweinte die ungarische Nation mit Thränen aufrichtigen Schmerzes. Sein Leib wurde zur 
Ruhe gebracht in der Gruft der durch ihn gegründeten Großwardeiner Kathedrale, in 
welcher das Grab des schon zu Lebzeiten als heilig verehrten und später durch die Kirche 
in die Reihe der Heiligen aufgenommenen Königs der Gegenstand eines andächtigen 
Cultus seitens des Volkes und der selbst aus fernen Gegenden her ausgesuchte Schauplatz 
von Gottesnrtheilen wurde. 
Der heilige Ladislaus, in welchem der Ungar seine eigenen nationalen Charakter 
züge durch die Glorie christlichen Ritterthumes verschönt erblicken konnte, der in Krieg und 
Frieden gleich große, strenge, aber gerechte und gnädige König ist Jahrhunderte hindurch 
der Held volksthümlicher Sagen gewesen und ist es heute noch. Die durch alte Augen 
zeugen als wunderschön gepriesene Reiterstatue, welche unter König Sigmund von 
Klausenburger Künstlern gegossen wurde, fiel als Opfer türkischer Barbarei bei der Ein 
nahme Großwardeins, aber das Andenken an Ladislaus erhielt sich treu im Herzen des 
dankbaren Volkes und konnte selbst in der Aera der populärsten Könige, Ludwig der Große 
und Mathias, nicht verdunkelt werden.
	        
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