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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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haften  Schwertes  den  Zauber  der  königlichen  Autorität,  um  seinen  Gegner  zu  besiegen.
Er  ging  unbewaffnet  in  das  Lager  der  Aufrührer  hinüber,  führte  seinen  jüngeren  Bruder,
zu  dessen  Verteidigung  Niemand  das  Schwert  zu  ziehen  wagte,  aus  der  Mitte  der  Aufständischen ­
  heraus  und  ließ  ihn  in  das  Gefängniß  werfen.  Aber  nicht  lange  darauf,  als  er
seinen  Tod  nahen  fühlte,  berief  er  ihn  an  seinen  Hof  und  ernannte  ihn  zum  Vormund
feines  minderjährigen  Sohnes  Ladislaus  III.  (1204).
Die  Königin-Witwe,  welche  sich  neben  dem  den  Thron  begehrenden  Vormund  nicht
sicher  fühlen  mochte,  flüchtete  mit  ihrem  Sohne  und  der  Krone  nach  Österreich,  und  schon
war  Andreas  gesonnen,  feinen  Mündel  und  die  Krone  mit  bewaffneter  Hand  znrückzufordern,
  als  durch  den  Tod  des  Kindes  jede  Kriegsurfache  entfiel.  Andreas  hatte  endlich
das  Ziel  seiner  Wünsche  erreicht,  er  konnte  die  zurückgesandte  Krone  sich  aufs  Haupt
setzen  (1205).
Andreas  II.  war  der  erste  König,  der  bei  seiner  Krönung  eidlich  gelobte,  daß  er
die  Rechte  und  Privilegien,  sowie  die  Autorität  der  Krone  unversehrt  aufrechthalten  werde.
Nie  konnte  sich  aber  die  Nation  mit  mehr  Grund  über  die  Verletzung  ihrer  Rechte  und  über
das  Sinken  der  Macht  und  des  Ansehens  des  Landes  beklagen,  als  während  seiner
dreißig  Jahre  andauernden,  von  Wirren  erfüllten  rühmlosen  Zeit.
Andreas  wurde  von  seiner  ehrgeizigen  Frau,  Gertrud  von  Meran,  beherrscht,  die
sich  ungebührlicherweise  in  die  Leitung  der  Staatsgeschäste  mischte,  ihren  Bruder,  den
unwissenden  Berthold,  zu  den  Würden  eines  Kalocsaer  Erzbischofs,  eines  Bans  von
Slavonien  und  schließlich  eines  Woiwoden  von  Siebenbürgen  erhob,  die  fremden  Günstlinge
mit  Schenkungen  und  Ämtern  überhäufte  und  die  Landeseinkünfte  sich  aneignete,  um  für
ihre  Kinder  Schätze  zu  sammeln  und  sie  ins  Ausland  zu  seudeu.
Als  Andreas  sich  nach  Galizien  begab,  um  seinen  jüngeren  Sohn  Koloman  auf
den  polnischen  Thron  zu  setzen,  vertraute  er  die  Regierung  des  Landes  seiner  Frau  und,  mit
Hintansetzung  des  Grauer  Erzbischofs  und  des  Palatins,  dem  jüngeren  Bruder  der  Königin,
dem  verabscheuten  Berthold  an.  Die  Erbitterung  wurde  allgemein.  Die  Mißvergnügten
überfielen  die  verhaßte  Königin  und  tödteten  sie  (1213).
Als  Andreas  aus  Galizien  heimkehrte,  fand  er  das  Land  in  solcher  Verwirrung,
die  Gereiztheit  gegen  seine  Regierung  so  allgemein  verbreitet,  daß  er  —  nachdem  der
Mörder  der  Königin,  der  Ban  Petur,  ohnedies  bald  nach  der  Verübung  der  That  getödtet
worden  war  —  sich  damit  begnügte,  die  Güter  einiger  ins  Ausland  geflüchteten  Rädelsführer ­
  des  Aufstandes  zu  confisciren.  Die  Unzufriedenen,  die  schon  gesonnen  waren,  die
Söhne  Gezas,  des  nach  Griechenland  flüchtig  gewordenen  jüngeren  Bruders  Mas  III-,
zur  Besetzung  des  Thrones  herbeizurufen,  trugen  sich  jetzt  mit  der  Absicht,  Bela,  den
minderjährigen  Sohn  Andreas',  auf  den  Thron  zu  erheben.  Der  schwache  Andreas  wandte
            
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