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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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XV. Jahrhunderts gebräuchlichen Übertreibungen der spätgothischen Kunst und schuf zwei 
Werke, die trotz ihrer Kleinheit, vermöge des schönen Materials, der prücisen Durchführung 
und der edlen Formen füglich neben die hervorragenderen Baudenkmäler dieser Art zu 
stellen sind. In der Zipser Kathedrale gelangt man durch zwei in die Langwand des 
südlichen Seitenschiffs gebrochene Arkadenöffnungen in die sogenannte Frohnleichnams- 
kapelle. Die stumpfen Spitzbogen der Arkadenöffnnngen ruhen ans zwei Wandpfeilern und 
einem frei dazwischen stehenden Pfeiler. Diese sind an Basis und Schaft achteckig; der 
Schaft ist an den vier durch Abschneidnng der Kanten entstandenen Seiten durch je eine 
tiefe Kehlung, an den dazwischenfallenden vier Seiten aber durch einen säulenförmigen, 
auf dreifache Basis gestellten Dienst gegliedert. Diese Gliederung des Pfeilers setzt sich 
ohne Unterbrechung an den Bogen fort, blos mit dem Unterschiede, daß die den Dienst 
fortsetzende Rippe birnenförmig ist. Die Wandpfeiler in der Kapelle sind an Sockel, 
Basis und Schaft sechseckig; die Schäfte sind an den Ecken durch stabförmige 
Dienste gegliedert, in der Mitte aber mit Baldachinnischcn geschmückt, welche Statuen aus 
späterer Zeit enthalten. Die Pfeiler haben kein Capital; die Rippen des ziemlich einfachen 
Netzgewölbes entwickeln sich unmittelbar ans den Diensten. Am Äußeren der Kapelle 
herrschen die Streben vor, die sich in fünf Abstufungen verjüngend, mit Leistengliedcrn, je 
einer gedrungenen Pyramide, Fialen, Kriechblüttern und einer Kreuzblume geschmückt und 
das Kranzgesimse durchbrechend, schlank emporschießen. Dieses und jenes Detail der 
Streben, desgleichen das Maßwerk der breiten und hohen, an ihrer äußeren und inneren 
Laibung gleichmäßig gegliederten Fenster gehören der spätgothischen Kunst an, was 
jedoch das wohlproportionirte Äußere der Kapelle in seiner guten Wirkung nicht schädigt. 
Die Westfa^ade ist durch die kahlen Wände einer Kapelle von quadratischem Grundriß 
maskirt. Die innere Länge der Kapelle beträgt etwa 17'/», ihre Breite ?7s Meter. 
Die Doppelcapelle zu Dvnnersmark ist um etwa 5 Meter kürzer und um I V- Meter- 
schmäler als die eben beschriebene, an Kunstwerth jedoch weit bedeutender. Die untere 
Kapelle, in die aus der oberen eine Treppe neben der westlichen Wand hinabführt, diente 
gleichfalls zu gottesdienstlichen Zwecken; sie erhält ihr Licht durch Fenster, die zu zweien 
in jedem Pseilerzwischenraum angebracht sind; die bimförmigen, am Netzgewölbe Rauten 
und Quadrate bildenden Rippen fließen tief herabreichend mit den schlanken, ans der Wand 
vorspringcnden Säulenschäften zusammen. Zu weiterer Festigung hat das Gewölbe noch 
eine Rippe, die am Scheitel der Längsachse entlang verläuft. Aus der Kirche führt blos 
eine schmale Thür in die obere Kapelle. In ihrem ganzen Innern erblickt man, die 
Gewvlbekappen ausgenommen, kaum eine Handbreit Fläche, die nicht mit irgend einem 
feingemeißelten Ornament belebt wäre. Die Wandpfeiler der Langwände haben die Form 
von übereck gestellten Halbqnadraten, die der nördlichen Seite fließen mit den Laibungen
	        
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