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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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vollkommeneren europäischen Geräthen auch ihre eigenen primitiven benützen, dann können 
wir uns auch nicht Wundern, wenn wir in Ungarn unter den Geräthen der späteren Stein 
zeit mitunter auch ein polirtes Steinbeil, ja ein metallenes Werkzeug entdecken. 
Daß die Ureinwohner Oberungarns, wie die von anderen Gegenden Mitteleuropas, 
in ihrem primitiven Zustande die nämlichen von der Natur dargebotenen Geräthe, also 
hölzerne, steinerne, knöcherne benützten, bedarf ebenso wenig des Beweises, als daß die 
Bekanntschaft mit den Metallen nach und nach die Stein- und Knochengeräthe verdrängte. 
Doch ist es umso schwieriger, zwischen den verschiedenen Phasen der Steinzeit, sowie 
zwischen der Bronze- und Eisenzeit Grenzlinien zu ziehen, je gewisser es ist, daß unsere 
heute aufgestellten Theorien über diesen Punkt schon morgen durch neue Funde hinfällig 
sein können. Ein zeitbestimmender Charakter kommt nur solchen Funden zu, die unter gleichen 
geologischen Verhältnissen Vorkommen. Und damit stehen wir vor der wichtigen Frage, ob 
aus den paläolithischen Funden überhaupt auf die Existenz des quaternären Menschen zu 
schließen sei. Versucht wurde dies auch schon in anderenLändern; seit Tournal und de Christol, 
Dr. Schmerling und Boucher de Perthes' Entdeckungen zu Abbeville ist es mit aller 
Wahrscheinlichkeit festgestellt, daß der Mensch schon vor der Diluvialzeit in der quaternären 
Entwicklungsepoche thatsächlich gelebt hat. In Oberungarn würden die Höhlenfunde dafür 
sprechen. Da aber bei diesen die geologischen Verhältnisse, der Natur der Sache nach, nicht 
mit voller Sicherheit festzustellen waren, so konnte auch die Frage durch sie keine befriedi 
gende Lösung finden. In dieser Hinsicht sind wir erst in neuester Zeit um einen Schritt 
weiter gelangt, und zwar durch einen Miskolczer Fund, welcher Formen der paläolithischen 
Zeit aufweist. 
Dieser Fund besteht aus drei kleinen, durch Absplitterung hergestellteu Steinbeilen, 
die im Jahre 1892 bei der Fundamentirung eines Hauses, in einer Tiefe von etwa drei 
Metern, in der unter dem Alluvium liegenden Thonschichte gefunden wurden. Diese Stein 
beile sind nach Material, Form und Herstellungsort den berühmten Steinbeilen aus dem 
Sommethal so ähnlich, daß Otto Herman, der den Fund eingehend beschrieben hat, in 
seiner beachtenswerthen Studie keinen Anstand nahm, zu erklären, „es bestehe schon nach 
den geologischen Verhältnissen die große Wahrscheinlichkeit, daß der Miskolczer Fund 
der paläolithischen Zeit angehört, also jener älteren Steinzeit, die nach der jetzt 
herrschenden wissenschaftlichen Auffassung bis ans Ende des Diluviums dauerte, die aber 
auf dem Gebiete unseres Vaterlandes in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise bisher 
nicht nachgewiesen war". 
Wie seinerzeit die berühmten Entdeckungen im Sommethal und die aus ihnen 
abgeleitete Theorie erst nach längerem Streit und neuen Entdeckungen festen Fuß fassen 
konnten, so wird auch der vereinzelte Miskolczer Fund erst nach neuen ähnlichen Funden
	        
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