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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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Zugbrücken sind feist spurlos verschwunden. Dagegen hat die gewaltige Rundbastei, die den 
südöstlichen Theil unter der Burg umzieht, der Zeit getrotzt. Diese mit einer Brustwehr 
umgebene Bastion gleicht einem geräumigen Hof und enthält ein aus Haustein gebautes 
Nenaissance-Gloriett; neuerdings wurde sie durch Asphaltpflaster noch haltbarer gemacht. 
Von der Felszinne der Burg öffnet sich eine herrliche Aussicht auf das nordwärts 
mündende, mit düsterem Tann bewachsene Racsovaer Thal und aus die blau umnebelten 
Berggruppen der Hohen Tatra. 
Die älteste Quelle, aus der wir von der Burg erfahren, liegt nicht weiter zurück, 
als in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Damals befand sich Ärva im Besitz der 
Söhne des Gespans Detre (Dietrich): Peter, Ottouch und Mikou, Vorfahren der Familie 
Balassa. Von ihnen löste Bela IV. 1267 die Grenzburg zurück, die dann bis zu Beginn 
des XIV. Jahrhunderts unter königlichen Burghauptleuten stand. Im Bürgerkriege, der 
den: Aussterbcn der Ärpaden folgte, wurde Ärva wieder Privatbesitz, jedvch nur für kurze 
Zeit, denn Karl Robert schenkte die Burg seinem geliebten Getreuen, dem aus dem 
Feldzüge gegen den walachischen Wojwoden Bazarad bekannten Magister Danch 
oder Dominik, Obergcspan von Sohl und Liptau, löste sie aber schon um 1320 
wieder zurück und setzte neuerdings königliche Burghauptleute ein. Die Besiedelung des 
Comitats begann unter Ludwig dem Großen. Das Amt der Bnrghauptleute war damals 
von Männern mit großem Namen bekleidet, wie Hippolyt, Kamcralgraf von Kremnitz, 
Palatin Leustach Jlsvay und anderen. Später besaßen die Burg und bekleideten die Ober 
gespanswürde Herzog Ladislaus von Oppeln und Palatin Nikolaus Garai, allein beide nur 
kurze Zeit, denn schon unter König Sigismund ist Stibor „Herr der ganzen Ävaag", auch 
Herr der Burg, bis sie 1434, nach dem Aussterben der Stibor, an die Krone zurückfällt. 
Der Kriegslärm, der um diese Zeit das Land erfüllte, drang nicht bis ins Ärvaer Comitat. 
Die Ansiedlungen entwickelten sich da ruhig fort. Eine Zeit lang vermochten die Burg 
herren Ärva sogar gegen die wiederholten Einfülle der Hussiten zu beschirmen; dagegen 
ging es über ihre Kräfte, auch den mit den Hussiten um die Wette hausenden polnischen 
und böhmischen Rittern zu wehren, daß sie ihre Abcnteuerzüge bis hiehcr ausdchntcn. ^n 
Ärva setzte sich Peter Komorowski, Herr von Zivjec im benachbarten Galizien, fest und 
usurpirte sogar die Obergespanswürde, bis schließlich Matthias dem ganzen böhmisch 
polnischen Unwesen ein Ende machte. Matthias verlieh die Burg dem Johann Corvin. 
Damals geschah es, dass Matthias seinen in Ungnade gefallenen Kanzler, den Erzbischof 
von Kalocsa, Peter Värday, zu lebenslänglichem Kerker verurtheilte und auf der Burg 
Ärva einschloß, „^rva, kumti Uotro, ^rva oris vt in ^.rvn inorisris." (^rva bedeutet auf 
ungarisch „verwaist".) Mit diesen Worten soll der große König ihm das harte Urtheil 
verkündet haben. Doch ging seine Vorhersagnng nicht in Erfüllung, denn nach dem Tode
	        
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