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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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hängender  Balkon  zieht.  Wird  die  Familie  zahlreich,  bringt  der  Bursche  ein  Frauchen  ins
Haus,  oder  geht  er  in  das  Haus  seiner  Frau  wohnen  (uu  priskuxü^),  so  bekommen  die
Jungen  im  Oberstock  jedes  eine  kleine  Kammer  eingeräumt.  Zuweilen  befindet  sich  im
Oberstock  die  Vorrathskammer  der  Bäuerin  und  die  Kornkammer  des  Bauern,  meist  aber
dient  zu  diesem  Zwecke  ein  besonderes  Gebäude  auf  der  anderen  Seite  des  Hofes.  In  den
kleinen  Städten  des  Oberlandes,  wo  die  Häuser  dicht  aneinander  stehen,  bringt  man
zwischen  je  zwei  Nachbarhäusern  längs  der  Traufe  einen  Abflußkanal  für  das  Regenwasser ­
  an;  so  ist  das  z.  B.  in  Iglo  zu  sehen.  Statt  der  Bretterwand,  die  sich  über  der
Gassenwand  der  Stube  erhebt,  Pflegt  man  in  den  südlichen  Gegenden  des  Oberlandes
eine  Wand  aus  Luftziegeln  aufzuführen,  an  den  meisten  Orten  aber  wird  das  Hausdach
auch  auf  der  Gassenseite  des  Hauses  abgeschrägt.
In  der  Fortsetzung  des  Wohnhauses  befinden  sich  Viehstall,  Schafstall  und  Wagenschuppen, ­
  am  Ende  des  Gebäudes  der  Schweinestall.  Hinter  dem  Hause  liegt  der  Obstgarten, ­
  an  dessen  Anfang  die  Scheuer  fürs  Getreide  steht.  Der  Gemüsegarten  der  Hausfrau ­
  und  der  Blumengarten  der  Tochter  pflegt  dem  Hause  vorgelegt  zu  sein  und  hat  ein
Lattengitter  oder  einen  Zaun.  In  dem  Straßengitter  öffnen  sich  eine  Thüre  und  ein  Thor
aus  Brettern.
Oft  wohnen  drei,  ja  vier  Familien  in  einem  Hause;  die  Eltern  leben  mit  ihren
Kindern  und  Enkeln  meist  in  einem  Haushalt.  Die  Jungen  begegnen  den  Alten  gewöhnlich
mit  großem  Respect.  Die  Alten  bestimmen,  was  die  Jungen  zu  thun  haben,  sie  sorgen
für  alle  Bedürfnisse  der  Familie  und  geben,  so  lange  es  irgend  geht,  die  Macht  nicht  aus
den  Händen.  Wenn  aber  die  Alten  einmal  dahin  sind,  lockern  sich  in  der  Regel  die  Bande
der  Verwandtschaft,  und  dann  ist  der  gestörte  Hausfriede  nur  durch  Besitztheilung  wieder
herzustellen.
Die  Nahrung  des  Volkes  ist  selbst  bei  den  Wohlhabenderen  sehr  frugal.  Ihre  hauptsächlichen ­
  Nahrungsmittel  sind:  Kartoffeln,  Kraut,  Mehlspeisen  und  Milch;  in  manchen
Gegenden  wird  überdies  viel  Hirse  und  Buchweizen  nebst  Hülsenfrüchten  genossen.  Rindfleisch ­
  kommt  nur  an  höheren  Festtagen  aus  den  Tisch.  Das  gewöhnliche  Frühstück  besteht
aus  Einbrennsuppe  und  Brod;  Mittags  ißt  man  Hirsebrei  und  Mehlspeise  oder  Gemüse,
zuletzt  Suppe.  Von  dem  für  Mittag  Gekochten  bleibt  in  der  Regel  noch  ein  Abendessen
übrig.  Branntwein  fehlt  selten,  ja  er  ersetzt  häufig  die  gekochte  Nahrung.  Das  Essen  ist
gemeinsam.  Die  Familienglieder  essen  am  Tische  stehend  oder  auf  den  Bänken  am
Tische  sitzend  aus  der  gemeinsamen  Schüssel,  die  in  die  Mitte  des  Tisches  gesetzt  ist.  Auf
Tellern  wird  gewöhnlich  nur  den  Kindern  die  Speise  zugetheilt.  Der  erste  Löffel  voll
gebührt  dem  Familienhaupt,  auch  trinkt  er  zuerst  aus  der  langhalsigen  Branntweinflasche,
die  dann  von  Hand  zu  Hand  herumgeht.  Vielfach  ist  es  Sitte,  daß  sich  die  Hausfrau
            
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