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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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ob das Wasser warm oder kalt, an das gestrandete Floß, das sie so lange stemmen und 
heben, bis es wieder flott ist. Noch größere Gefahren drohen aber dem Flößer von Seite 
der Felsklippen, die im Flußbette emporstarren, sowie von den Brücken oder den im Strome 
liegenden Schiffsmühlen. So mancher gewissenhafte Flößer, der die anvertraute Ladung 
von Holzwaaren ans Ziel bringen will, findet sein Grab in den Wellen. Auf solche 
gefährliche Stellen machen die Flößer einander beizeiten aufmerksam; vom dritten oder 
vierten Floß aus schallt der Ruf nach rückwärts: (rudern!) und der Flößer 
spannt alle Kraft an, um sich und sein Floß aus der Gefahr zu retten. Es gilt dann nicht blos 
die feindselige Gewalt der reißenden Strömung zu überwinden, sondern der Flößer kämpft 
auch gegen den »vockniü« oder »llus^lriuun" (Wassermann), der stets sein Leben bedroht. 
Denn, daß es Wassermänner gibt, davon ist nicht nur der Flößer überzeugt, sondern auch 
die Bevölkerung längs der Flüsse. Der »Vockiriü" kriecht zuweilen aus dem Wasser heraus, 
besonders wenn in der nahen Ortschaft Markttag ist, und geht auf den Markt, bunte 
Maschen und allerlei Bandzeng zu kaufen. Er ist daran zu erkennen, daß aus dem linken 
Ärmel seines übergeworfenen Szür (Lodenmantels) immerfort Wasser trieft. Die bunten 
Maschen und Bänder läßt er auf dem Flusse treiben, darum spielt der Wasserspiegel so 
vielerlei Farben; damit lockt er auch die Menschen, und wessen Fuß er erfassen kann, der 
ist auch schon ein Kind des Todes. Das glauben die slovakischen Flößer allgemein. Erreicht 
der Flößer wohlbehalten seinen Bestimmungsort und hat er die anvertraute Waare ohne 
Fehl abgeliefert, so tritt er fröhlich den Heimweg an, entweder zu Fuß oder mit der 
Eisenbahn, und ein paar Wochen später begibt er sich wieder auf die gefahrvolle Stromfahrt. 
Ein Theil des Volkes betreibt die Holzindustrie auch selbständig. Der slovakische 
Bauer verfertigt sich nicht nur den größten Theil seiner Wirthschaftsgeräthe selbst, sondern 
arbeitet auch für den Markt. Das sind Butten, Wannen u. dgl., dann kleinere und größere 
Holzlöffel, Faßspunde, Sessel mit Strohgeflechte, geschnitzte Spazierstöcke und allerlei einfaches 
Spielzeug für Kinder. Viele hausiren auch mit diesen Erzeugnissen der Hausindustrie. 
Eine eigenthümliche Figur unter den slovakischen Hausirern ist ferner der Fenster 
einschneider, der von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus sein »ubluüot emirüini« 
(Fenster machen) ruft. Manche verkaufen auch Gläser für Eingesottenes, Trinkgläser, Glas 
krüge und Flaschen oder sie hausiren mit Porzellan- und Steingutgeschirr. Die Glas- 
hausirer tragen ihre Ware auf dem Rücken, während der slovakische Geschirrhausirer sich 
ein rundes Leinengewinde auf den Kopf legt und darauf den vollen Warenkorb balancirt. 
Sie kaufen größere Mengen von Ausschußware der ungarischen, besonders aber der 
böhmischen Fabriken an, doch ist an den meisten Stücken der Fehler kaum zu bemerken. 
Solche Jndustrieartikel können sie viel billiger feilbieten als der Glashändler und verdienen 
damit mehrere hundert Gulden jährlich.
	        
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