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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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ständen herum, er schnitzt Schalmeien, allerlei Thiersignren oder jene Trinkbecher (erpüle) 
aus trockenem Ahornholz, die mit ihren verzierten Henkeln den einzigen Luxusgegenstand 
in seiner Hütte bilden. 
Die ständige Behausung des Schafhirten, die sogenannte „Koliba", steht an irgend 
einem Bergquell oder Bächlein und ist eine ärmliche Hütte aus Fichtenbalken, mit einem 
Bretter- oder Schindeldach. Gewöhnlich besteht sie ans zwei Räumen, die sich in einander 
öffnen. In dem ersten Raume steht der Herd, da hängen die fettigen Kleider des Hirten, 
und auf den Stellbrcttern steht das erforderliche Holzgeschirr. Der rückwärtige Raum dient 
als Kammer, wo der Schäfer (Großhirt, baoa) den fertigen Vorrath au Butter und Käse 
verwahrt und wo er allein Zutritt hat. Ans jeder Hirten-Tanya gibt es außer dem Schäfer 
noch zwei oder drei Schäferknechte. Die Berechnung ist, daß jeden: Schäferknecht 80 bis 
90 Stück aus der Schafherde Zufällen, da dies das Meiste ist, was ein Mensch tagsüber 
melken kann. Unweit der Koliba befindet sich die Hürde (tvosiar), ein langes Viereck mit 
zerlegbarem Fichtenzaun. Da treiben die Schäferkncchte abends die Schafe hinein, was 
aber anfangs nur mit großer Mühe zu bewerkstelligen ist. Um sie daran zu gewöhnen, 
verbrennt der Schäfer in der Mitte der Hürde einen Brocken Pech, wodurch der böse Geist 
ausgetriebcn wird; dann verstreut er im KoSiur gestoßenes Salz und ruft die Schafe durch 
Pfiffe. Ist es ihm gelungen, sie alle hineinzulocken, so ist er fest überzeugt, daß kein Stück 
der Schafherde verloren gehen und daß die Herde schön gedeihen wird. 
Jeden Abend, wenn die Schafhirten sich vor der Koliba versammeln, gibt der Schäfer 
seine Befehle für den folgenden Tag, er bezeichnet jedem die Richtung, in der er morgen 
die Herde treiben soll, und worauf er dabei zu achten hat. Früh Morgens, wenn der 
Himmel sich kaum röthet, steht der Schafhirt auf, greift zum Melkkübel (ssolota, lliot), 
setzt sich an das Thor der Hürde und melkt die Schafe, eins nach dem andern, worauf er 
sie hinanslüßt. Wenn das gethan ist, macht sich jeder mit seinem Herdentheil aus den Weg 
nach der Alpentrift. Der Schäfer bleibt allein in der Hütte und geht sofort ans Kochen 
des Ziegers (2inöica). Er gießt die frische Schafmilch in den Kupferkessel über dem Herde, 
macht darunter Feuer an und schüttet die Milch, wenn sie aufgekocht ist, in ein großes 
Gefäß, die sogenannte .puteru". Er thut Lab hinein, wovon die Milch topfig (käsig) 
wird, und damit ist der süße Zieger fertig. Nun wäscht sich der Schäfer die Hände, macht 
ein Kreuz über die Milch, nimmt den zusammengeballten Topfen als Masse von dem 
Umfang eines kleinen Brodlaibes aus dem Gefäß und hängt ihn, in ein reines Linneutuch 
gebunden, über einem Geschirr auf, in das die Molke abrinnen kann. Nach 24 Stunden 
ist der Topfcnkäse (llruäa) fertig. Aus diesem bereitet man dann den bekannten und beliebten 
oberländischcn Schafquark (briuckrm) und die Käsearten und „pärsnica". Den 
nach der Topfengewinnung übrig gebliebenen Zieger kocht der Schäfer nochmals auf, rührt
	        
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