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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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Richtung der Hypotenuse des gleichschenkligen Dreiecks und gliedert sich durch fünf Stäbe 
mit vier seichten Kehlungen; der mittlere Stab bildet unten ein Säulchcn, während über 
ihm die Hohlkehlen sich als kleine, zur Aufnahme einer Statue geeignete Nischen mit ein 
fachem Baldachinabschluß gestalten, über dem dann die Gliederung der Laibung weitergeht. 
Ein besonderes Interesse gewinnt dieses Portal durch die Reliefscene in seinem Bogenfelde. 
Sie stellt die heilige Dreifaltigkeit vor. Gott Vater thront in weitfaltigem Gewände und 
hält den gekreuzigten Christus im Schoße, ihm zu Hüupten scheint die den heiligen Geist 
symbolisirende Taube mit ausgebreiteten Flügeln direct abwärts zu fliegen; rechts vom 
Throne kniet betend ein Engel in faltenreichem Gewände und hat zu seiner Rechten einen 
ähnlichen Engel, der auf Christus deutet; hinter den Engeln erscheinen in emporrankendem 
Laubwerk Lowe und Pelikan als Symbole Christi. Dieses Relieswerk ist vermöge seines 
Gegenstandes, der symbolischen Auffassung, sowie seiner in charakteristischer Weise 
archaischen, ungefügen Formen eines der werthvollsten Denkmäler der frühgothischen 
Plastik, wie sie in Ungarn selten Vorkommen. 
In dieser ersten Bauperiode wurde die dreischiffige Halle der Kirche, in der Länge 
von 32 und der Höhe von 16 Meter, mit Ausnahme des Gewölbes vollendet; ihr 9'25 
Meter breites Mittelschiff ist von den 6'80 Meter breiten Seitenschiffen durch vier Paare 
achteckiger Pfeiler getrennt; die Längswände sind durch Halbsäulenschäfte gegliedert, von 
denen die dem nördlichen Seitenschiff ungehörigen achteckige Sockel haben. Zu derselben 
Zeit dürften, wenigstens theilweise, auch das Chor und dessen dreiseitiger Abschluß erbaut 
sein. Das Innere der Kirche ist das denkbar einfachste; die Pfeiler und Halbsüulenschüfte 
beschränken sich mit Vermeidung allen Prunkes auf das Nothwendigste; auch die Fenster 
sind einfach. Hier findet sich nichts, was auf die Hand des Meisters jener Portale zu 
schließen gestattet. 
Mit dem Jahre 1345 etwa beginnt die zweite Bauperiode, in der auch die Stadt 
zu den Kosten beitrug, während zugleich die Spenden der Gläubigen reichlicher stoffen. 
Trotzdem gedieh der Bau äußerst langsam; es dauerte über hundert Jahre, bis das Netz 
gewölbe über den drei Schiffen der Halle fertig stand. Im Jahre 1452 fand die Einweihung 
der Halle statt. Daß die Geldmittel jetzt weniger knapp waren, kam allerdings mehr darin 
zur Geltung, daß man die Kirche großartiger machen wollte, als ursprünglich geplant 
war, und es wirft ein interessantes Licht auf den Geist der gothischen Baukunst in Ungarn, 
daß man die Großartigkeit nicht im Reichthum der Anlage, sondern im größeren Umfang 
suchte. Indem man das Großartige suchte, wich man ihm sozusagen aus. Die Seitenschiffe 
wurden durch gerade Wände abgeschlossen, also unvollendet gelassen, statt daß sie fort 
gesetzt worden wären, um einen Chorumgang zu bilden, was sich hier gleichsam von selbst 
darbot. Das im Bau halbvollendete alte Chor aber wurde abgetragen und im Jahre 1461
	        
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