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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 1. Abtheilung

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Muß aber auch auf die Urheberschaft Billard de Honneconrts verzichtet werden, 
so dürfte der Kaschauer Dom dennoch das Werk eines jener dem Namen nach unbekannten 
französischen Meister gewesen sein, welche sich um diese Zeit in Ungarn ausgehalten haben. 
Dies läßt sich aus der eigenthümlichen Anordnung des Chores entnehmen, die, mit 
Hinweglassung des Chornmganges, dem verlängerten und mit fünf Seiten des Zehneckes 
geschlossenen Chore sowohl rechts als auch links je zwei in der Richtung der Radien 
angeordnete Kapellen anfügt. Ähnliche Anordnung zeigen die Kirche Saint-Ived zu 
Brame (Frankreich), die Liebfranenkirche zu Trier und das Chor der Collegiatkirche zu 
Xanten, jedoch mit dem Unterschiede, daß bei den zwei ersteren die beiden westlichen Kapellen 
sich der Flanke des Querschiffes anschließen, während in Kaschau die Kapellen von der 
Flanke des Querschiffes durch ein halbes Joch der Seitenschiffe getrennt sind. Die Kirche 
zu Braine ist auch in ihren übrigen Theilen cvrrect und klar angeordnet, dreischiffig, und 
ihr Qnerschiff springt mit einem schmalen Joch aus der Flucht des Längsschiffes hervor. 
Unsere Kirche hingegen ist, von dem Vorbild abweichend, unfolgerichtig und verworren, sie 
hat weder entschieden fünf, noch auch drei Schiffe und am allerwenigsten eine Central 
anlage. Aus dieser in ihrer Art beispiellosen Unentschiedenheit entsprangen bei dem 
Aufbau constrnctive Schwierigkeiten, welche die in der Bantechnik weniger bewanderten 
Meister nur mangelhaft zu überwinden wußten. Es kann also nicht überraschen, wenn man 
erfährt, daß die mittleren Pfeiler schlecht fnndirt waren und sich daher seitwärts lehnten, was 
wieder zur Folge hatte, daß die ohnehin schwachen Mauern Sprünge bekamen. Dazu kam 
noch, von Anderem zu geschweigen, die systemlose, verworrene Einwölbung der Seitenschiffe. 
Diesen Fehlern ist es znzuschreiben, daß die Kirche schließlich abgetragen werden mußte. 
Auch dem Äußeren der Kirche fehlte die Einheitlichkeit und dazu kam noch die 
störende Wirkung der zahlreichen Annexbauten. Sehr augenfällig war an der Westfronte 
die große Einfachheit der beiden Thürme und der Giebelwand, besonders aber die auffällig 
kleinen Massen des am Fuße der letzteren befindlichen Hauptportals sowie der beiden 
Seitenportale, desgleichen der Mangel eines Strebesystems, wie es bei der Höhe des 
Mittelschiffes und Kreuzschiffes erforderlich gewesen wäre. Im Gegensatz hiezu wiesen 
manche Details des Aufbaues einen erstaunlichen Grad von Reichthnm und künstlerischer 
Vollendung auf. Über dem schmalen Kranzgesimse erhob sich eine von Maßwerk durch 
brochene Brüstung, welche die Kirche der Länge und Breite nach, einem schöngestickten 
Bande gleich, umschlang. Der nämliche Zierrat wiederholte sich über dem Gesimse der 
Leitenschiffe. Die Ornamentik des Gesimses ergänzte sich überdies am Chor durch eine 
Reihe niederhängender Bänder, die unten mit Rosen endeten. Auch im Übrigen war der 
Abschluß reich gestaltet. An seinen fünf Seiten öffneten sich fünf, beinahe die ganze 
Wandbreite einnehmende Fenster; die schöngegliederten Strebepfeiler aber wurden durch
	        
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