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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 2. Abtheilung

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malerisch.  An  der  Südseite  des  Kopaßhiigels  (Hol^  Lopeech  führt  in  steilen  Windungen
eine  schwer  gangbare  Straße  über  einen  891  Meter  hohen  Paß  aus  dem  Turöczer  in  das
Sohler  Comitat  hinüber,  und  zwar  von  Stuben  nach  Hermanetz  (Hermand),  in  das
wunderschöne  Hermanetzer  Thal.  Nahe  am  Eingänge  desselben,  an  der  Westseite  des
Bergmassivs  „Nad  Tufnou",  im  nördlichen  Thale  der  Gemarkung  von  Ober-Hermanetz
(Felsö-Hermänd),  erblickt  man  zwei  ziemlich  hoch  gelegene  Tropfsteinhöhlen,  Nainens
Tufna,  die  mit  Knochen  des  Höhlenbären  (ursus  spelaous)  erfüllt  sind.
Jenseits  von  Tufna  zieht  sich  zwischen  anmuthigen  Waldbergen  das  lange,  enge
Hermanetzer  Thal  hin,  und  ans  seiner  Sohle  in  felsigem  Bette  der  forellenreiche
Hermanetzer  Bach.  Die  Bergflanken  bestehen  aus  steilen,  zerklüfteten  Kalkfelsen,  zwischen
und  auf  denen  alles  grün  ist  von  Linden,  Buchen,  Ahorn,  Fichten,  Erlen  und  Nüstern.  Die
hohen  Berge  sind  oberhalb  mit  Nadelwald,  unten  mit  Bnchenbestünden  bedeckt.  Bei  Ober-Hermanetz
  befindet  sich  ein  berühmter  Wald,  der  größtenthcils  aus  Eibenbäumen,  einer
Seltenheit,  besteht.  Wohin  der  Blick  sich  wendet,  überall  reihen  sich  senkrecht  aufstarrende
Bergspitzen.  An  den  Steilhüngen  brechen  da  und  dort  Quellen  hervor  und  gehen  mit  so
starkem  Fall  zu  Thale,  daß  ihre  geringe  Wassermenge  für  dasHernnterflößen  von  mächtigem
Langholz  ausreicht.  An  vielen  Orten  aber  läßt  man  das  Holz  in  hölzernen  „Riesen"
niedergleiten.  Längs  der  Ufer  und  im  Bette  des  Baches  liegen  10  bis  20  Meter  hohe,
von  Pflanzen  überwucherte  Felsbrocken;  sie  wurden  alle  durch  die  rasenden  Bergwasser
herabgestürzt,  die  mit  ungeheuren  Fallgeschwindigkeiten  von  Fels  zu  Fels  wcitertoscn.  Bei
Ober-Hermanetz  thut  sich  der  schönste  Anblick  auf;  ein  Bächlein  bricht  gewaltig  brausend
durch  einen  hohen  Felsen  und  thut  einen  12  Meter  tiefen  Sturz.  Das  ist  der  Hermanetzer
Wasserfall.  Auch  an  Höhlen  ist  die  Gegend  reich,  denn  sie  besteht  zumeist  aus  Kalkgestein,
dessen  durch  Wasser  ausgewaschene  Massen  oft  malerischen  Burgruinen  gleichen.  Ähnlich
ist  auch  die  Thalgegend  des  Bistritzbaches  unterhalb  von  Ober-Hermanetz,  längsdurch
finden  sich  überall  Ammoniten  und  die  Straße  ist  von  verwitterndem  Kalkstein  begleitet.
Hier  sind  die  Brüche  und  Kalkbrennereien,  aus  denen  sich  Neusohl  mit  Kalk  versorgt.  Das
Bistritzthal  wetteifert  an  landschaftlicher  Schönheit  mit  dem  Hermanetzer  Thale.  Ehedem
gab  es  in  diesem  Thale  auch  Glashütten  und  Bergbauanlagen.  Jetzt  sieht  man  nichts
mehr  davon.
Jenseits  von  Unter-Hermanetz  (Alsö-Hermand)  ändert  sich  das  Bild.  Gärten,
Felder  und  Äcker  tauchen  auf.  Ein  bedeckter,  canalisirter  Arm  des  Bistritzbaches  fällt
besonders  auf;  er  liefert  der  Hermanetzer  Papierfabrik,  der  wichtigsten  industriellen
Anlage  des  Thales,  die  bewegende  Kraft.  Die  wohleingerichtete  Fabriksanlagc  ist  zwischen
700  und  900  Meter  hohen  Bergen  eingebettet;  rauchende  Schlote,  riesige  Räder,  Turbinen,
Lagerräume  und  dazwischen  die  hübschen  Wohnhäuser  der  Eigenthiimer,  Beamten  und
            
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