Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 5, 2. Abtheilung

228

Ortschaften  des  Comitats.  Über  Tardona  hinaus  liegt  das  obstberühmte  Dorf
Mälyinka.  Oberhalb  von  Sajö-Jvänka,  bei  dem  Dorfe  Vadna,  mündet  in  das  Sajöthal
ein  anderes  Thal,  das  länger  und  zugleich  bewohnter  und  interessanter  ist  als  das
Thal  des  Kazinczbaches.  Dies  ist  das  Bänthal.  Auf  einem  Gipfel  über  Vadna  sieht
man  noch  jetzt  Spuren  der  Raubritterburg  eines  böhmischen  Hussitenführers  Walgatha.
Die  Steine  der  Ruine  wurden  später  herabgeschleppt,  unter  Anderem  ließ  das  Comitat
aus  ihnen  die  Brücke  des  dem  Sajö  zuströmenden  Baubaches  bauen.  Bachaufwärts  liegen
im  Thale  dicht  nach  einander  die  Ortschaften  Nagy-Barcza,  Bän-Horvät  und
Bänfalva.  Dann  wird  das  Thal  enger  und  die  Straße  windet  sich  durch  Prächtig
bewaldete  Berge.  In  Bänfalva  hat  die  Familie  Vladär  ein  schönes,  mit  einem  Basteithurm ­
  versehenes  Schloß,  in  dem  sich  eine  große  Privatbibliothek  mit  über  5000  werthvollen ­
  Werken  befindet;  sie  gehörte  einst  dem  berühmten  Schriftsteller  Gabriel  Kazinczy.
Fast  auf  jedem  bedeutenderen  Hügelvorsprung  des  Bänthals  findet  man  Spuren  von
mittelalterlichen  Erdburgen.  Ein  bedeutenderes  Schutzwerk  war  die  noch  in  ihren  Ruinen
stolze  Burg  Dedes  auf  595  Meter  hoher  Bergkuppe.  Einst  gehörte  sie  zu  den  königlichen
Burgen  und  war  das  Jagdhaus  der  Auerochsenjäger.  Im  Jahre  156!i  wurde  sie  von  den
Türken  fünfzehn  Tage  lang  belagert,  worauf  ihr  letzter  Commandant  Ladislaus  Käväsi
abzog  und  sie  über  den  Köpfen  der  Belagerer  in  die  Luft  sprengte.  Auf  dem  Berge
über  dem  Dorfe  stand  einst  ein  Paulinerkloster  mit  Kirche.  Als  einziges  Denkmal  der  alten
Kriegszeiten  ist  noch  jetzt  der  Eisenhelm  Ladislaus  Kaväsi's  in  der  reformirten  Kirche  des
Nachbardorfes  Visnyö  aufbewahrt.  Dieser  Helm  hatte  lange  Zeit  in  der  von  Käväsi
der  Kirche  geschenkten  Mühle  als  „Getreideschöpfer"  gedient,  mit  dem  der  Müller  die
Mauth  erhob.  Das  ganze  Thal  ist  reich  an  Obst.  In  der  Gemarkung  von  Visnyö  steht
seit  Beginn  des  Jahrhunderts  ein  Schieferbruch  in  Betrieb.  Die  nächste  Ortschaft  ist
Szilväs.  Es  hat  eine  bedeutende  reformirte  Kirche,  die  als  kreisförmiger  Kuppelbau  mit
Säulenvorhalle  auf  hohem  Hügel  steht;  sie  wurde  in  den  Dreißiger-Jahren  durch  den
katholischen  Grafen  Nikolaus  Keglevich  für  die  Reformirten  erbaut.  Auf  einem  anderen
Hügel  in  der  Nähe  steht  das  herrliche  Schloß  des  Grafen  Rudolf  Erdödy.  Garten  und
Park  sind  wunderschön,  aber  noch  schöner  das  feenhafte  Szilväser  Thal,  das  vom  Ende
des  Dorfes  in  das  Gebirge  führt.  Südwestlich  von  Szilväs  liegt  das  dicht  bevölkerte
Apätfalva.  Seine  Vergangenheit  ist  bedeutender  als  seine  Gegenwart.  Am  Fuße  des
784  Meter  hohen  Bölkö,  eines  Felsgipfels  des  Bükk,  entspringen  drei  warme  Quellen  und
bei  diesen  wurde  im  Jahre  1232  das  Kloster  der  durch  Bischof  Cletus  von  Erlau  hier
angesiedelten  Cistercienser,  die  Abtei  von  Bölhäromkut  (Imroin  Krck  —  drei  Brunnen)
erbaut.  Die  noch  erhaltene  Klosterkirche  ist  ein  interessantes  Baudenkmal;  Gottesdienst
wird  in  ihr  nur  an  Festtagen  gehalten,  weil  sie  von  der  Ortschaft  zu  weit  abliegt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.