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Die ungeschliffene, aber starke Phantasie des Slovaken bekundet sich auch in seiner
Sagendichtung und besonders seinem Aberglauben. Es gibt in Saros kaum einen Felsen
oder eine Ruine von etwas Phantastischer Form, an die der Volksglaube nicht irgend eine
Sage knüpfte. Der Held der Sage ist in der Regel der Teufel, dem sich Jemand verschrieben
und den er dann betrogen hat.
Die Tänze der Saroser Slovaken sind, wie ihre Lieder, nicht immer Original, sie
lieben auch Csardas, Walzer und Polka in irgend einer Verballhornung. Ihren eigenen
slovakischen Tanz tanzen sie in einförmigem Takte zur Musik ihrer Volkslieder, auf einem
und demselben Fleck, mit leisem Vibriren, unter kurzem Gestampfe mit den Absätzen
und einem Sprung nach rechts und links, wobei der Tänzer seine Tänzerin von
Zeit zu Zeit mit erhobener Hand eine Umdrehung machen läßt. Gewöhnlich machen
sie beim Tanzen ein ernstes, feierliches, mitunter sogar betrübtes Gesicht; erst wenn
sie ihren tüchtigen Schluck Branntwein gethan haben, folgt das Juchzen, Singen und
Courbettiren.
Tanz bildet auch den Schluß des Erntefestes, bei dem die Slovaken einen reich
bebänderten, mit Sträußchen besteckten Ährenkranz in den Herrschaftshof bringen, zu
Gruß und Zutrunk. Bei solchen Festen mischen sich oft auch die Jüngeren der herrschaft
lichen Familie in den Tanz der Feldarbeiter beiderlei Geschlechts und geben sich der
Freude an der beendeten Arbeit hin.
Überhaupt war in Saros das Verhältniß zwischen Herrschaft und Bauer in
früherer Zeit und sogar noch lange nach Aufhebung der Leibeigenschaft höchst
gemächlich und Patriarchalisch. Die anhängliche, der Abhängigkeit geneigte Natur des
Slovaken trug viel dazu bei. Jetzt hat sich gar Vieles geändert, die Bande der
Anhänglichkeit sind gelockert, auch hat ein großer Theil der Grundbesitzer seinen Besitz
verkauft oder verpachtet.
Denn auch die gebildete Gesellschaft des Comitats hat eine große Umwandlung
erlitten. Die alte adelige Classe, die auch noch nach Aufhebung des ständischen Wesens
eine Zeitlang die unumschränkte Herrschaft im Comitate ausübte, verlor durch die
Änderung der Verhältnisse, durch Verarmung zahlreicher Edelleute oder weil sie ihre
Thätigkeit aus dem Kreise des Comitats hinausverlegt hatte, wenn auch nicht ihre
führende Rolle, doch jedenfalls einen großen Theil ihres gesellschaftlichen Gewichtes;
und in diese entstandene Lücke trat alsbald jenes städtische, bürgerliche Element,
das durch die Umwandlung der drei königlichen Freistädte zu Städten mit geordnetem
Magistrat und durch ihre Verschmelzung mit der Jurisdiction des Comitats auch rechtlich
zum Theilhaber des öffentlichen Lebens im Comitat geworden war. Nirgends vielleicht
ging diese Verschmelzung so rasch, glatt und vollkommen vor sich, wie in Saros, in dessen