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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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fortwährend über dem Beistand, damit er sich nicht etwa vergesse. Auch die Bursche tanzen, 
den Hut auf dem Kopfe, den Blumenstrauß am Hute, was übrigens nicht Wunder nehmen 
kann, denn wo sollten sie die Hüte hinthnn? Auf den Köpfen sind sie am besten 
aufgehoben. 
Der Tanz ist der ewige Csardas, und zwar wird heutzutage das Andante kurze 
Zeit und das Allegro länger getanzt; ehedem war das Umgekehrte der Fall. Der schöne 
„langsame Ungarische" mit seinem ritterlichen Ernst und Sporenklang beginnt in 
Vergessenheit zu gerathen. Vom Stampfen des dichten Gewühls widerhallt der Boden, 
der selten ein Bretterboden ist; gejauchzt wird wenig. Unermüdlich wird weitergestampft. 
Natürlich hat Jeder seine Lieblingstänzerin, die er am dargereichten Tuche oder am 
Finger gefaßt zum Tanz führt; sitzen bleibt dennoch Keine, denn dies wäre eine große 
Beleidigung für den Hausherrn. 
Wortstreit, Balgerei, Plumpheiten sind selten. Man enthält sich sogar des Fluchens, 
ohne das doch sonst der gemeine Mann weder im Bösen noch im Guten bestehen kann. 
Jahre vergehen, bis es einmal zu einem Zusammenstoß kommt, der dann auch weithin 
besprochen wird; das Odium davon trifft den Hausherrn, besonders aber den Beistand. 
Denn dieser steht bei einer anständigen Hochzeit im Ansehen eines Diktators. Dort sitzt 
er in seiner Ecke am oberen Tischende, von den bejahrteren Gästen umgeben, die er mit 
Erzählungen aus seinem und Anderer Leben, oder ans älteren Zeiten unterhält. Jeder 
Neuangekommene wird ihm vorgestellt, und zwar kündigt, wenn Jemand eingetreten ist, 
der nur kurze Zeit verweilen kann, diesen der Brautführer mit der Feierlichkeit eines 
Herolds an: „Ich melde Euch in aller Unterthänigkeit, daß diesem Hause in der Person 
des Herrn (der Frau) N. N. ein ehrenwerther Gast angekommen ist." Der Beistand 
erhebt sich, nimmt die Mütze ab, begrüßt den Ankömmling und legt fortan den Schwer 
punkt seiner amtlichen Thätigkeit darein, den neuen Gast zu unterhalten. Daß der 
„ehrenwerthe Gast" nur mit dem Lippenrande nippt, während er selbst alles bis auf die 
Nagelprobe leert, übersieht er ganz; kein Wunder, daß er bald schwach wird. Doch das 
verschlägt nichts, man merkt es nur an seiner Zunge, nicht an seinen Beinen, sintemalen 
er keinen Fuß ans der Beistandsecke heraus setzt. Kommt es doch hie und da vor, daß 
unter den Gästen Streit entsteht, so fällt der Beistand ein summarisches Urtheil, gegen 
das es keine Appellation gibt. Der Ungeberdige wird einfach in aller Stille hinausgewiesen 
und gehorcht schmollend; sollte er sich aber sperren und aufbegehren, so tritt eine noch 
höhere Macht in Thätigkeit: die Frau. Das Lamm nimmt den Löwen an der Pfote und 
führt ihn unter mahnender Zurede oder gelinden Rippenstößen hinaus. Übrigens hat man 
abschrecknngshalber zwei Tage vor der Hochzeit die Fruchtgrube gelüftet, in die man die 
Schlimmsten ganz sachte hinunterläßt. Das ist ganz human, denn die Grube ist im
	        
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