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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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handvoll  Geld  hineingeworfen  und  dadurch  die  Braut  für  sich  erstanden.  Aber  auch  sein
Vergnügen  währt  nicht  lange,  denn  wieder  klappert  es  im  Teller  und  mitten  im  besten
Sprung  rafft  sie  ihm  ein  anderer  weg.  Neues  Geklirr,  neues  Geklapper,  die  Braut  geht
von  Hand  zu  Hand.  Die  Bursche  drängen  sich  herbei,  die  Alten  sogar  leeren  ihre  Taschen,
und  das  junge  Frauchen  tanzt  unermüdlich  weiter,  so  lange  man  will  —  wenn  es  bis  in
den  Hellen  Morgen  hinein  dauert,  ist's  ihr  auch  recht,  denn  das  Geld,  das  sich  im  Teller
sammelt,  gehört  ihr.  Es  kann  aber  nicht  bis  zum  Morgen  währen,  denn  der  Bräutigam
wirft  jetzt  eine  handvoll  wirkliches  Geld,  und  zwar  echte  Silberthaler,  unter  die  bescheidenen ­
  Sechser  und  „Eisernen",  als  wolle  er  alle  Usurpatoren  Niederschlagen.  Er  schlägt
sie  auch  wirklich  nieder.  Mit  einem  Griff  hat  er  seine  Braut;  da  setzt  sich  alles  still  hin
und  sieht  zu,  wie  die  Beiden  allein  sanft  und  glücklich  dahinschwebeu  in  der  Mitte  der
Stube,  bis  endlich  der  Zigeuner  auch  dieser  Lust  ein  Ende  macht,  indem  er  aus  dem
„Frischen"  Plötzlich  in  den  Naköezymarsch  hinüberspringt.  Dieser  Tanz  heißt  auch  „Reuter-Tanz",
  weil  man  zur  Aufnahme  des  Geldes  eine  Reuter  auf  den  Tisch  stellen  kann.
In  Szegedin  und  Umgebung  setzt  man  der  Braut  die  Haube  nach  dem  Brauttanz
auf,  dann  besprengt  die  neue  Frau  die  Gäste  aus  einem  großen  Waschbecken,  und  ist  sie
girier  Laune  und  führt  eine  feste  Faust,  so  packt  sie  diesen  oder  jenen  und  seift  ihn  sogar
ordentlich  ein.  Auch  diese  Wüsche  geschieht  nicht  umsonst,  das  Geld  dafür  gehört  zum
Einkommen  der  Braut.  Brauttanz  und  Wäsche  bringen  dem  jungen  Paare  oft  ein  hübsches
Sümmchen  ein,  besonders  wenn  auch  Herrenleute  zugegen  sind.  Legt  man  noch  etwas  dazu,
so  mag  sich  dabei  leicht  ein  Hänschen  oder  Weingärtchen  herauswachsen.
Auf  den  Brauttanz  folgt  der  Familientanz,  an  dem  sich  die  Eltern  der  Hochzeiter
betheiligen,  ja  die  Großeltern  selbst  tanzen  in  aller  Steifheit  den  „Kallöer  Zweitauz".
Mütterchen  hopst  wie  ein  Frauchen  von  gestern  und  Väterchen  vergießt  seinen  besten
Schweiß,  indem  er  sich  anstrengt,  die  wohlbeleibte  Hochzeitsmutter  im  Kreise  herumzubewegen, ­
  worauf  er  sie  wieder  losläßt,  um  den  Werbertanz  zu  beginnen,  unter  manchem
lauten  Klatsch  auf  sein  knorriges  Knie,  ja  selbst  auf  den  Schnabel  seines  Stiefels,  wenn
man  seinem  Tanz  gehöriges  Lob  spendet.  Das  Beispiel  ist  ansteckend.  Nach  den  Alten
nehmen  sich  die  Jungen  um  die  Hüfte;  Söhne  und  Schwiegertöchter,  Enkel  und  Urenkel
fassen  sich  zu  Zweien  und  die  Gäste  sehen,  in  die  Ecken  gedrückt,  zu,  wie  so  ein  ganzer
breitüstiger  Stammbaum,  mit  allen  seinen  Ästen  und  Zweigen,  Blüten  und  Knospen  im
patriarchalischen  alten  Schritt  dahertanzt.
lind  immer  noch  sind  die  Köchinnen  übrig;  das  Recht,  sie  „um  einander  rumpeln"
zu  lassen,  steht  den  Brautführern  zu,  da  gibt  es  denn  auch  keinen  Widerstand.  Weiterhin
geht  die  Unterhaltung  im  sicheren  Geleise  bis  zum  Morgen  fort.  Ein  Tanz  folgt  dem
anderen.  Ums  Morgenroth  wandern  unter  den  Klängen  des  Räköczy  die  entfernteren
            
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