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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Weizen  einheimst;  an  den  meisten  Orten  aber  hat  man  zu  dergleichen  keine  Zeit.  Sobald
das  Grün  des  Weizens  abwelkt,  um  Peter  und  Paul,  spätestens  um  Mariä  Heimsuchung
(daher  „Mutter  Gottes  mit  der  Sichel"),  erkracht  seine  Wurzel  und  man  beginnt  die
Ernte,  gewöhnlich  an  einem  Freitag  oder  Samstag.  Der  Schnitter  geht  mit  der  Sense,
der  Garbenbinder  mit  der  Sichel.
Schon  zu  Neujahr  nimmt  der  Landwirth  seine  Schnitter  auf,  denn  wer  auch  nur
zehn  Joch  Frucht  stehen  hat,  erntet  kaum  mehr  selbst.  Nicht  als  ob  dies  nicht  vortheilhaft

Mäher.

für  ihn  wäre  oder  als  ob  er  es  für  erniedrigend  hielte.  Beileibe.  Gerade  das  wäre
erniedrigend,  wenn  er  dem  armen  Mann  sein  Bischen  Brod  und  Verdienst  nicht  gönnen
wollte.  Ein  solcher  Landwirth  würde  keinen  Taglöhncr  für  andere  Arbeiten  bekommen,
denn  auch  die  Armut  hat  ihr  schwarzes  Buch,  in  das  sie  den  geizigen  oder  hinhälterischen
Landwirth  einzeichnet.
Die  Ernährung  der  Schnitter  ist  Sache  des  Landwirthes.  Entweder  läßt  er  selbst
kochen  und  ihnen  das  Essen  hinaustragen,  in  welchem  Falle  die  Wirthschaftenn  nur  recht
tief  in  die  Schmalztonne  hinablaugen  mag,  sonst  kommt  das  Haus  ins  Gerede;  oder  er  theilt
ihnen  die  Lebensmittel  zu:  acht  Kilogramm  Brod,  drei  Liter  Hirsebrei  und  „Tarhvnya"
Ungarn  II.  ^
            
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