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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Morgana  ihren  Zauberspuk  treibt.  Dies  sind  die  Organe  der  eommunalen  Verwaltung.
Civil-  und  Criminaljustiz,  ja  Statntenschafsung,  die  das  Publieum  für  eine  gewisse  Zeitdauer ­
  erwählt.
Die  unteren  Beamten  werden  durch  die  Obrigkeit  (den  Rath)  zu  ihrem  Dienst
entweder  gemiethet  vder  beordert.  Die  „Waibel",  Haidncken,  Wächter,  meist  ausgediente
Soldaten  und  der  ärmeren  Classe  entnommen,  dienen  für  Sold.  Der  „Bürger",  der
„Kleinrichter",  der  „städtische  Leutnant",  die,  auf  ihren  eigenen  Pferden  reitend,  an  die
Schildknappen  von  einst  erinnern,  sind  durch  Gewandtheit  empfohlene  sprossen  wohlhabenderer ­
  Familien  und  dienen  fast  nur  um  die  Ehre.  Sie  lasten  sich  rufen,  ja  selbst  mit
Brachialgewalt  zum  Dienste  pressen,  verstecken  sich  vor  dem  Zwang  im  Weingarten  oder
ans  der  Tanya,  oder  gar  im  Walde,  aber  sie  lassen  sich  doch  fangen,  geben  klein  bei,
bestellen  sich  die  Uniform,  satteln  sich  das  Pferd,  ziehen  sich  die  flatternde  Leinenhose  an
und  dienen  dann  selbstbewußt  ein  oder  zwei  Jahre  lang.  Dabei  erlernen  sie  die  Kunst,
Obrigkeit  zu  sein,  denn  mit  der  Zeit  werden  sie  ja  als  die  „Herren  Richter"  zu
fungiren  haben.
Das  lebendige  Amtsblatt  für  die  gesammte  Verwaltung  ist  der  „Anstrommler",  der
nicht  nur  über  eine  diesem  Amte  gewachsene  Lunge,  sondern  auch  über  die  elsmdmlich«,
Autorität,  ja  selbst  über  ein  gut  Theil  Findigkeit  und  Humor  verfügen  muß.  Denn  es  ist
gar  keine  so  leichte  Sache,  was  der  Herr  Notär  heute  aus  einer  Schrift  verkündet  hat,
neuerdings  auswendig  hcrznsagen,  und  zwar  ohne  jede  Entstellung  und  namentlich  ohne
stecken  zu  bleiben.
Die  Zwischenreden  und  Randbemerkungen  sind  beim  Straßenpublicum  ebenso  gang
und  gäbe,  wie  in  den  Parlamenten.  Da  muß  er  sofort  ripostiren  können,  sonst  wäre
es  besser,  die  Erde  thäte  sich  unter  ihm  auf.  Manchmal  versteigt  er  sich  bis  zu  Improvisationen, ­
  die  ihm  mit  allgemeinem  Beifall  gelohnt  werden.  Zum  Ezempel:  „Auf
Verordnung  des  Nathes  wird  verordnet,  daß  die  zugereisten  Bettler  sich  vom  Markte
scheren  sollen  .  .  .  (können  doch  selbst  die  einheimischen  kaum  mehr  leben)".  Oder:  „Der
Feind  ist  in  die  Stadt  eingcrückt;  wer  ein  Gewehr  besitzt.  .  .  (möge  es  gut  verstecken,
sonst  geht's  ihm  schlimm)!"
Aber  Alles  ändert  sich  in  dieser  Welt  der  Vergänglichkeit.  Richter  und  Senatoren
verschlingt,  begräbt  die  Laune  des  Volkes,  Waibel  und  Lieutnante  die  Laune  der  Richter.
Sic  erscheinen  ans  der  Höhe  des  öffentlichen  Lebens  und  schwinden  wieder  hinab;  nur
eine  Persönlichkeit  gibt  es,  dem  die  Wogen  der  Veränderlichkeit  sich  harmlos  zu  Füßen
schmiegen,  und  das  ist  der  städtische  Kutscher.  Denn  Richter  und  Senatoren  sind  jederzeit
zu  haben,  so  viel  man  ihrer  nur  mag,  bei  den  Pferden  aber,  da  braucht  es  einen  „Alaun  .
Schon  zwei  Pferde  wollen  ihren  Alaun  haben,  wie  nun  erst  vier,  denn  mit  weniger  können
            
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