134
Morgana ihren Zauberspuk treibt. Dies sind die Organe der eommunalen Verwaltung.
Civil- und Criminaljustiz, ja Statntenschafsung, die das Publieum für eine gewisse Zeitdauer
erwählt.
Die unteren Beamten werden durch die Obrigkeit (den Rath) zu ihrem Dienst
entweder gemiethet vder beordert. Die „Waibel", Haidncken, Wächter, meist ausgediente
Soldaten und der ärmeren Classe entnommen, dienen für Sold. Der „Bürger", der
„Kleinrichter", der „städtische Leutnant", die, auf ihren eigenen Pferden reitend, an die
Schildknappen von einst erinnern, sind durch Gewandtheit empfohlene sprossen wohlhabenderer
Familien und dienen fast nur um die Ehre. Sie lasten sich rufen, ja selbst mit
Brachialgewalt zum Dienste pressen, verstecken sich vor dem Zwang im Weingarten oder
ans der Tanya, oder gar im Walde, aber sie lassen sich doch fangen, geben klein bei,
bestellen sich die Uniform, satteln sich das Pferd, ziehen sich die flatternde Leinenhose an
und dienen dann selbstbewußt ein oder zwei Jahre lang. Dabei erlernen sie die Kunst,
Obrigkeit zu sein, denn mit der Zeit werden sie ja als die „Herren Richter" zu
fungiren haben.
Das lebendige Amtsblatt für die gesammte Verwaltung ist der „Anstrommler", der
nicht nur über eine diesem Amte gewachsene Lunge, sondern auch über die elsmdmlich«,
Autorität, ja selbst über ein gut Theil Findigkeit und Humor verfügen muß. Denn es ist
gar keine so leichte Sache, was der Herr Notär heute aus einer Schrift verkündet hat,
neuerdings auswendig hcrznsagen, und zwar ohne jede Entstellung und namentlich ohne
stecken zu bleiben.
Die Zwischenreden und Randbemerkungen sind beim Straßenpublicum ebenso gang
und gäbe, wie in den Parlamenten. Da muß er sofort ripostiren können, sonst wäre
es besser, die Erde thäte sich unter ihm auf. Manchmal versteigt er sich bis zu Improvisationen,
die ihm mit allgemeinem Beifall gelohnt werden. Zum Ezempel: „Auf
Verordnung des Nathes wird verordnet, daß die zugereisten Bettler sich vom Markte
scheren sollen . . . (können doch selbst die einheimischen kaum mehr leben)". Oder: „Der
Feind ist in die Stadt eingcrückt; wer ein Gewehr besitzt. . . (möge es gut verstecken,
sonst geht's ihm schlimm)!"
Aber Alles ändert sich in dieser Welt der Vergänglichkeit. Richter und Senatoren
verschlingt, begräbt die Laune des Volkes, Waibel und Lieutnante die Laune der Richter.
Sic erscheinen ans der Höhe des öffentlichen Lebens und schwinden wieder hinab; nur
eine Persönlichkeit gibt es, dem die Wogen der Veränderlichkeit sich harmlos zu Füßen
schmiegen, und das ist der städtische Kutscher. Denn Richter und Senatoren sind jederzeit
zu haben, so viel man ihrer nur mag, bei den Pferden aber, da braucht es einen „Alaun .
Schon zwei Pferde wollen ihren Alaun haben, wie nun erst vier, denn mit weniger können