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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Im Verlaufe dieses Aufsatzes haben wir wiederholt diesen oder jenen Zweig der 
Feldarbeit an irgend einen Namens- oder Feiertag geknüpft. Dies geschah, weil der Ungar 
die Zeit lieber nach diesen theilt und bestimmt, als nach Monaten und numerirten Tagen. 
Die ungarischen Jahrmärkte stehen mit Blasius, Josef, Medard, Johannes Enthauptung, 
Nikolaus und anderen Namen in Verbindung, desgleichen die Sämannsarbeit, Ernte- 
einfnhr und die Wetterprophezeiungen. Um aus der Unmasse nur Einzelnes — wenn auch 
zum Theil vermuthlich mit den Nachbarvölkern Gemeinsames — zu erwähnen, höre man 
das'Folgende: 
„Steht Vinzenz im Glanz, füllt sich der Keller ganz." „Wendet sich mit Nebel Paul, 
fällt der Mensch wie Aas so faul." „Wenn's um Lichtmeß noch nicht fror, dann klaub' 
nur jedes Dingsda hervor", was der Schäfer folgendermaßen variirt: „Um Lichtmeß 
mögen lieber die Wölfe hereinheulen, als daß die Sonne zum Fenster hereinscheine." 
„Am Tage Susannens in aller Früh ruft die Lerche: pipi! pipi!" „Mattheis bricht's 
Eis; find't er kein's, macht er eins," „Friert es in der Matthiasnacht, dann friert's 
vierzig Nächte, daß es kracht" und „Regnet's am Medarditag, so regnet's darnach vierzig 
Tag." „Gregor schüttelt seinen Bart." „Benedict bringt die Wärme sackweise." Wer 
könnte die vielen Verdienste St. Georgs herzühlen, und wer kennt nicht die Frostheiligen, 
sowie den Tag Urbani, der die Fröste schließt? Charfreitag werden die Kälber gezeichnet, 
am Tage St. Georgi wird das Vieh Hinausgetrieben, der Dienstbote gemiethet. Was in 
Hugos Woche an Geflügel ausgebrütet worden, kommt uni. Die Melonen kann man nach 
Hugo säen, am besten aber geschieht dies am hundertsten Tage des Jahres, von dem aus 
sie wieder in hundert Tagen zu reifen beginnen; wirklich reif werden sie aber erst zwischen 
den beiden Lorenz. Medard ist die Woche des Mähens; am Tage Gotthard sät man die 
Gurken, am Frohnleichnam den Winterrettig. An Peter und Paul kracht die Wurzel des 
Weizens; zwischen Heimsuchung und Elias bewegt sich der Schnitt. Zwischen zwei Frauen 
tagen muß man die Eier für den Winter sammeln. In der Woche Elias kann man 
einführen, mit König Stefan treten (mit ihm nehmen auch die Störche Abschied). Um 
Maria Geburt wird die Kornsaat des guten Landwirths grün; der Weizen ist zwei Wochen 
vor und zwei Wochen nach St. Michaelstag am günstigsten zu säen. Übrigens lautet der 
Rath auch: „Die Herbstfrncht in den Staub, die Frühjahrsfrucht in den Koth", das heißt 
Beides je eher, desto besser. „Mürzenschnee schadet der Erde, selbst wenn man ihn in einem 
Sack darüber hinschleist"; hingegen nützt er den Mädchen, die ihr Gesicht damit waschen. 
„Schwarze Weihnachten, weiße Ostern." „Theresia hält Weinlese mit Wendelin, doch 
gährt ihr Wein nur ans Martini aus." Lukas und Demetrius rufen den Schäfer zur 
Abrechnung, wie denn auch vor Alters der Ungar seine Jahresrechnung mit dem Türken 
am Dömötörstag zu schließen pflegte. Auf Elisabeth kommt die ledige Rinderheerde heim,
	        
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