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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Thiere  Messer,  ans  ihren  gebrochenen  und  zugeschärften  Röhrenknochen  Meißel,  Pfeilspitzen, ­
  Nadeln,  ans  den  Knochen  des  Rindes  aber  Netzbeschwerer  und  Schlittschuhe.  Die
unzähligen  Hügel,  die  sich  auf  den  Überschwemmungsgebieten  der  Alföldflüsse  erheben,
bezeichnen  die  Wohnstätten  der  damaligen  Menschen.  Diese  Hügel  gleichen  im  Ganzen  und
Großen  den  Terramaren  des  Po-Thales.  Sie  waren  Pfahlbauten  am  sumpfigen  Flußnfer,
  Gruppen  von  Hütten  aus  Flechtwerk,  das  mit  Lehm  ausgeschmiert  war;  die  Küchenabfälle, ­
  zerbrochenen  Gefäße  und  Gerüthe,  sowie  jegliche  Art  von  Schmutz  fielen  da
zwischen  die  Pfähle  hinab  und  füllten  mit  der  Zeit  den  leeren  Raum  unter  der  Hütte
völlig  aus.  Wenn  dann  übler  Geruch  und  überhand  nehmendes  Ungeziefer  die  Hütten
unbewohnbar  machten  oder  zufällig  ein  Brand  sie  verwüstete,  dann  verließen  die  Bewohner
den  Platz  und  ließen  sich  in  der  Nachbarschaft  nieder,  von  wo  sie  mit  der  Zeit  aus  den
nämlichen  Gründen  wieder  auf  die  unterließ  rein  gewordene  alte  Stelle  zurückkehrten  und
ihre  Hütten  immer  wieder  aufbauten,  Jahrhunderte  hindurch,  so  daß  sich  auf  diese  Weise
mächtige  Hügel  emporthürmten  aus  nichts  als  Abfällen  und  Kohlenschichten,  Hügel,  deren
Flächenraum,  wie  zum  Beispiel  auf  der  Puszta  von  Töszög,  zehn  Joch  und  mehr  einnimmt.
Die  jährliche  Überschwemmung  der  Theiß  spült  oft  den  einen  oder  anderen  Theil  dieser
Hügel  weg  und  dann  erblickt  man  die  vielen  Schichten  über  einander,  manchmal  mehr  als
zwanzig  an  der  Zahl.  Ihre  Anzahl  beweist,  daß  viele  Jahrhunderte  vergingen,  ehe  der
Hügel  feine  jetzige  Höhe  erreichte,  und  auch  daß  die  Entwicklung  der  Cultur  eine  gar
langsame  war,  denn  die  in  den  oberen  Schichten  gefundenen  Werkzeuge,  Küchenabfälle  und
Scherben  unterscheiden  sich  kaum  von  denen,  die  in  den  unteren  Schichten  Vorkommen.
In  der  obersten  Schichte  fanden  sich  auch  einige  Reste  ans  einer  späteren  Zeit,  so
auf  dem  Hügel  von  Töszög  eine  beinerne  Schnalle  und  ein  goldenes  Ohrgehänge  aus  der
Völkerwanderungszeit.  Dennoch  aber  kann  man  sich  auf  Grund  der  armseligen  Neste  einen
Begriff  von  der  primitiven  Cultur  der  Ureinwohner  bilden.  Sie  lebten  als  Fischer  und
Jäger;  dies  beweisen  die  zahlreich  vorkommenden  Schichten  aus  Schalen  von  Flnßmuscheln,
die  Fischschnppen  in  Töpfen,  die  durchlöcherten  Wildschweinhaner,  die  Bärenzähne,  die
Reh-  und  Hirschknochen,  die  sämmtlich  gespalten  sind,  da  nur  auf  diese  Art  dem  Mark
beizukommen  war;  hie  und  da  aber  findet  man  auch  verkohlten  Weizen  und  Hirse,  jene
Menschen  kannten  also  bereits  den  Ackerbau,  ihre  thönernen  Töpfe  jedoch  verfertigten  sie
noch  ohne  Töpferscheibe  und  die  Eindrücke  ihrer  Finger  bilden  das  einfachste  Ornament
derselben;  zuweilen  drückten  sie  auch  eine  geflochtene  Schnur  im  weichen  Thone  des
Gefäßes  ab.  Diese  Schnüre  und  die  kleinen  durchlöcherten  Thonscheiben,  welche  bald  als
Netzgewichte,  bald  zur  Beschwerung  der  Fäden  beim  Weben  dienten,  beweisen,  daß  den
Frauen  die  Künste  des  Spinnens,  Webens  und  Netzknüpfens  nicht  fremd  waren.  Perlen
aus  Thon  und  durchbohrte  Hirsch-  und  Wildschweinzähne  dienten  als  Halsschmuck,  ja
            
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