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so theuer gekauft, diese Kuh um so und so viel. Kommt einmal ein Jrrthum vor, so wird
ein gemeinsamer Freund ersucht. Richter zu sein, und von seinem Urtheil an ein anderes
zu appelliren, würde für unanständig gelten. In dieser Hinsicht von der Proceßsncht
des ungarischen Volkes zu sprechen, wäre eitles Gerede.
Und der Unternehmungsgeist — der mehr in den Städten, als in den Dörfern
entwickelt ist - befähigt die Leute in der Regel, stattliche Vermögen zu gründen. Im
Lande zwischen Donau und Theiß finden wir eine Menge Bauern, deren jährliches
Einkommen 10.000 Gulden übersteigt; es kommen sogar welche vor. deren Besitzthnm
einen Werth von nahe einer Million darstellt. Aber auch diese unterscheiden sich weder
in Kleidung und Sitten, noch in Lebensweise und Ergötzungen vom einfachen Ackerbauer.
Das Volk dieser Gegend ist still und melancholisch von Gemüthsart. Unter
gewöhnlichen Verhältnissen scheut es den Lärm, die laute Lustbarkeit. Zu Hause ist e--wortkarg
und beschränkt sich auf die uothwendigsten Mittheilungen. Nur in Gesellschaft,
besonders beim Wein, löst sich seine Zunge. Bei Arbeiten, die keinen großen Kraftaufwand
erfordern und bei denen Viele beisammen sind. z. B. beim Knkuruzschlelßen. in
den Ruhepausen beim Pflügen, beim Treten oder bei den feiertäglichen.Zusammenkünften.
gestattet man der Schelmerei freien Lauf. Witz folgt ans Witz und die Bemerkungen, die
da gemacht werden, sind zuweilen erstaunlich treffend. In alledem tritt weniger Humor aU
Satire zu Tage. Und trotzdem führt dies nur ausnahmsweise zu Feindschaften, nur ischwachköpfe
verstehen keinen Spaß. Die ungestörte Harmonie des Seelenlebens und das ernste
Selbstgefühl sieht man diesem Volke auch äußerlich an. Man müßte lange suchen, um ein
Volk von so regelmäßiger Gesichtsbildung und wohl proportionirtem Wüchse zu finden
wie diese stramm daherschreitenden Bursche und offen und ruhig blickenden Mädchen.
Seine Friedhöfe wartet das Volk mit liebevoller Sorge. Zwischen den Gräbern
pflanzt es Laubbäumc. An manchen Orten, z. B. in Nagy-Körös. ist der Friedhof ein
förmlicher Hain. Das protestantische Volk bezeichnet die Gräber mit eigenthümlich geformten,
charakteristischen Holzdenkmälern. Statt des Kreuzes tragen diese oben einen Knopf oder
Stern. Was dieser Schmuck zu bedeuten hat, wäre schwer zu bestimmen. Manchmal
erinnert die Form an einen Kopf im Turban, so daß Viele dabei an einen Überrest aus
der Türkenzeit gedacht haben. In anderen Fällen sieht man eine Art Blumenknospe,
vielleicht als Symbol der Auferstehung. Am wahrscheinlichsten ist. daß sich in der Form
dieser ..stumpfen" Grabmäler der Protestantismus geltend macht, indem er auch hier, wie
aus den Thurmspitzen, statt des Krenzsymlwts die Knopf- oder Sternform vorzieht. Auf
den protestantischen Friedhöfen nimmt diese Denkmalform immer mehr überhand und die
Form ist z. B. in Pilis genau so wie in Nagy-Körös. obgleich dort evangelisches Volk von
slovakischer Abstammung wohnt, hier aber resormirtes Volk von urwüchsig magyarischem