MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

255 
doch lieber in Vieh an. Ohne „Leute von Keve" gibt es weit und breit keinen Markt in 
Ungarn. Die herrliche zweithürmige Kirche von Kunhegyes spricht auch schweigend 
beredt genug für sich. KisnjszallLs und Karczag scheinen aber trotzdem ihren 
Schwestern an Volkszahl und Größe des Gebietes den Rang abzulaufen und außer 
ihnen auch noch vielen, vielen größeren Städten Ungarns durch die großen Opfer, die 
sie ihren öffentlichen Bildnngsanstalten, darunter der Entwicklung ihrer Gymnasien, 
gebracht haben. 
Und nun zum armen Klein-Kumanien und seinem berittenen Volke, denn mehr als 
das klein-kumanische Volk reitet keines. Wir aber brauchen deßhalb kein Pferd zu besteigen, 
um den ausgedehntesten Pusztenbezirk des Landes — wie einstmals seine „armen Bursche" 
und Rinderhirten — zu durchjagen. Weit schneller eilt mit uns das Dampfroß dahin, in 
einem Tage umfahren wir das Ganze und können einen Blick werfen in seine Ortschaften, 
deren Namen am liebsten mit „srmliüs" (Quartier) und (Kirche) enden. Unter 
halb Kecskemets streckt sich weithin Felegyhaza aus, eine der reichsten Städte des Landes; 
dann kommen, schön bevölkert, Maj sa und D orozsma in der Nähe von Szegedin; alle drei 
sind jazygische Schwärme. Eine kurze Eisenbahnsehne bringt uns im Flug zur Budapest- 
Semliner Linie und dort in die nördliche Richtung znrücklenkend, finden wir Halas 
mitten in seinem 600 Quadratkilometer großen Gebiete, im Besitze vieler Puszten. Ein 
Glück, daß wir es mit der Eisenbahn erreichen können, sonst müßten wir uns — wie in das 
Schlaraffenland durch Berge von Zuckerbrei — dahin durch Sandgebirge durchkämpfen. 
Die Sandwellen sind jetzt schon größtentheils aufgeforstet und ihnen zu Füßen liegen von 
Wasseradern durchzogene Wiesen, eine Fülle ertragsreicher Äcker, und drin in der Mitte 
der Pusztenwelt birgt sich eine schöne Oase, über deren schattige Baumkronen nur zwei 
große Thürme emporragen und den Ort bezeichnen, wo Halas, das „mächtige Halas" des 
Sprichworts, liegt. In seinen sandigen Gassen, welche mit schönen öffentlichen Gebäuden 
und noch schöneren Privathäusern besetzt sind, tummelt sich elastischen Schrittes eine ans 
Pusztenleben gewöhnte Bevölkerung von mittlerem Wüchse, aber stählernen Nerven, 
gesunden! Antlitz, kreisrund geschnittenem Haar und kurzer Gewandung. Sein stark 
besuchtes Obergymnasium nimmt außer den Einheimischen, die sich besonders gern der 
kirchlichen Laufbahn widmen, die Söhne der Bäcska und Baranya in sich auf, und zwar 
so zahlreich, daß das ohnehin alte und enge Gebäude sie kaum zu fassen vermag. 
Ein großer, rohrbewachsener See umgibt im Halbkreise die Stadt; in der Mitte des 
Sees liegt eine Insel, zu alter Zeit ein Zufluchtsort, jetzt eine Ziegelei, welche reiche 
Erträgnisse in Aussicht stellt; der See wimmelt von jenen löffelkopfgroßen Karauschen, die 
kaum größer sind als das Siegel der Stadt sie zeigt, aber vortrefflich schmecken. Hinter dem 
See erstreckt sich ein 3.000 Joch großes, einst wildes Sandgebiet, jetzt civilisirt durch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.