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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Beschwörungsbuches  seine  Macht  über  sie  ausübt  und  übermenschliche  Wunderthaten
vollbringt.  Für  die  Gäste,  die  er  geladen,  läßt  er  die  ganze  Mahlzeit  vom  Tische  des
Sultans  hcrbeischaffen,  und  an  diesem  Tage  muß  der  Großherr  hungern.  Von  den  dabei
befindlichen  Pomeranzenbäumen  können  jedoch  die  neugierigen  Damen  keine  Früchte
pflücken,  denn  kaum  berühren  sie  dieselben,  so  jammern  ihre  betreffenden  Gatten,  man  zerre
sie  an  der  Nase  oder  am  Ohre.  Durch  eine  umgeworfene  Flasche  läßt  er  im  Saale  eine
förmliche  Überschwemmung  entstehen,  so  daß  alle  Damen  auf  den  Bänken  Zuflucht  suchen
müssen.  Er  geht  spazieren  und  zeichnet  mit  der  Spitze  seines  Stockes  einen  vierspännigen
Wagen  in  den  Sand,  dann  besteigt  er  dieses  Fuhrwerk  und  überholt  auf  demselben  das
vor  ihm  hinsprengende  Gespann  des  Richters.  Dem  Kuttenbruder,  der  ihn  schilt,  läßt  er
so  große  Hörner  wachsen,  daß  derselbe  seinen  Kopf  nicht  mehr  durch  das  Fenster  zurückziehen ­
  kann.  Er  beschwört  auf  dem  Kirchhof  Todte  und  ringt  mit  dem  Teufel.  Dieser
findet  ein  besonderes  Vergnügen  daran,  seine  Studenten  zu  verführen,  indem  er  Hatvanis
Gestalt  annimmt  und  ihnen  um  Mitternacht  Vorlesungen  hält.  Die  Studenten  beklagen
sich  wegen  der  späten  Schulstunde,  und  da  räth  ihnen  Hatvani,  den  Saalboden  mit  Asche  zu
bestreuen;  nun  erkennen  sie  die  Spur  des  Pferdefußes,  der  sich  unter  Satans  Kutte  birgt,
und  verscheuchen  den  Bösen  durch  Absingen  des  Liedes:  „Ein'  feste  Burg  ist  unser  GotA"
Eine  ganze  Familie  in  Debreczin  findet  eines  Tages  ein  unglückliches  Ende:  ein  kleiner
Knabe  ersticht  sein  Brüderchen,  einen  Säugling,  und  kriecht  dann  aus  Angst  in  den  Ofen;
die  Mutter  macht  darin  Feuer  und  erhenkt  sich  in  Verzweiflung,  als  sie  das  Schreckliche
gewahr  wird;  dem  heimkehrenden  Gatten,  der  seine  Familie  todt  findet,  bricht  das  Herz.
Im  Collegium  wird  nun  ein  Preis  ausgeschrieben  für  den  Studenten,  der  dieses  Ereigniß
durch  das  beste  Epitaph  verewigen  würde.  Den  Preis  gewinnt  folgendes  Distichon:
»Inlnns,  ut  vervsx,  Msi'uins,  nuptn,  inni'itus
OuNsIIo,  Nninnan,  inns,  dolore  eaännt  "
Zu  deutsch:
„Gleich  dem  Lamme  der  Säugling,  der  Knabe,  die  Gattin,  der  Gatte
Fallen  durch  Messer  und  Glnth,  fallen  durch  Strick  und  durch  Schmerz."
Aber  diese  Verse  hat  dem  Studenten  der  Teufel  dictirt  und  nun  fordert  er  als  Lohn  dessen
Seele;  Hatvani  überlistet  den  Gottseibeiuns,  indem  er  dem  Studenten  aufträgt,  das  Wort
,erns°  (morgen)  über  seine  Thüre  zu  schreiben  für  den  Teufel,  wenn  dieser  käme,  ihn  zu
holen.  Ein  andermal  wird  einer  seiner  Lieblingsschüler  durch  die  Geister,  die  er  mit  Hilfe
des  aufgeschlagen  gefundenen  Zauberbuches  citirt  hatte,  in  Stücke  zerrissen;  Hatvani  setzt
die  Stücke  wieder  zusammen  und  bannt  einen  Geist  hinein,  dann  führt  er  den  Schüler  zum
Examen;  der  Geist  antwortet  bewunderungswürdig,  wie  aber  ein  Mitschüler  hinter  seinem
            
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