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Raköczys unter dem Titel der Kriegssteuer mit Tausenden von Schnürstiefeln, Mützen
und anderen Kleidungsstücken zu versehen. Nach Ablauf dieser Kämpfe wurde die Festung
1711, noch vor Abschluß des Szatmarer Friedens, endgiltig geschleift und auch seither
nicht wieder aufgebaut. Im Jahre 1721 aber wurden die beiden Städte, Szatmar und
Nemeti, vereinigt und unter dem Namen Szatmar-Nemeti in die Reihe der königlichen
Städte ausgenommen. Das Andenken der Veste, die Jahrhunderte überdauert hatte,
bewahrt das Wappen, welches die Stadt bei dieser Gelegenheit erhielt, das aber eigentlich
nur eine Erweiterung ihres alten Stadtsiegels ist: auf grünem Berge ein mit einer
Ringmauer umgebener Festnngsthurm zwischen zwei grünenden Palmbüumen.
Szatmar hat zwei Gymnasien: das uralte reformirte, das sich soeben aus einem
sechsclassigen zu einem vollständigen erhebt, und das achtclassige königliche katholische
Gymnasium, beide mit Convicten verbunden. Außerdem ist ein Jesuitenconvict mit
100 Zöglingen vorhanden. Das durch den Bischof Johann Ham als Erziehungsanstalt
für Mädchen gegründete große Kloster wird von Nonnen verwaltet und ist für
600 Zöglinge eingerichtet, 50 Stiftungsplätze des Internats sind für Waisen von
Unteroffizieren bestimmt. Es enthält die Lehrcnrse der Elementarschule, höheren
Töchterschule und Lehrerinnen-Präparandie. Die reformirte Kirche von Szatmar-Nemeti
unterhält gleichfalls eine höhere Erziehungsanstalt für Mädchen. Außerdem besorgen an
verschiedenen Punkten der Stadt 36 confessionelle Lehrer den Elementarunterricht. Einer
der charakteristischen Züge in der neueren Eultnrentwicklung von Tzatmar-Nemeti ist es,
daß die Stadt ihre Patronatsrechte und -Pflichten gegenüber den Kirchen und Elementar
schulen in einer Weise wahrnimmt, wie dies kaum irgendwo sonst zu sehen, und darin
gleichen sich die früheren confessionellen Gegensätze aus. Es ist nämlich die Stadt, die
jeden confessionellen Lehrer besoldet, die Pfarre erhält und die Priester aller Glaubens
bekenntnisse bezahlt.
Den Lehranstalten gesellt sich eine ganze Reihe von Humanitütsinstituten bei. Ein
allgemeines städtisches Krankenhaus mit hundert, ein Hospital der Barmherzigen mit vierzig
Betten, ein römisch-katholisches Armen- und Krankenhaus. Neben den Bibliotheken, die
den Lehranstalten beigegeben sind, hat Bischof Schlauch den Grund zu einer bischöflichen
Bibliothek gelegt, welche mehrere Seltenheiten der ungarischen Bibliographie enthält.
Szatmar-Nemeti ist ferner Sitz des im Jahre 1885 gegründeten und über dcw ganze
Szatmarer Comitat ausgebreiteten Szechenyi-Vereins, der sich durch die vom Comitat
angenommene kreuzerweise Selbstbesteuernng erhält. Das Grundprincip seiner Thätigkeit
ist die Stärkung der nationalen Enltur im Szatmarer Eomitat. Praktisch bekundet sich
dieselbe durch die Erhaltung von Kinderasylen auf den Dörfern und von Wander
bibliotheken, wodurch bisher schon schöne Resultate erzielt sind. Außerdem ist Szatmar