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es aber auch anderseits nothwendig, daß er zu wirtschaften verstehe, daß er Wagen und
Pferd halten könne, um die Märkte zu beziehen, und so wird er zugleich Kaufmann und
Laudwirth. Freilich zeigt bei alledem dieser und jener Zweig des Kleinhandwerks einen
Rückgang, insbesondere seit 1870. Aber nichtsdestoweniger hat der Jndustrieverein der
Schuster noch immer 350 Mitglieder (ohne die eigentlichen Schuhmacher, das heißt
Verfertiger von Schuhen, die, etwa 60 an der Zahl, einen eigenen Jndustrieverein bilden).
Der Verein der Gerber hat etwa 100 Mitglieder. Gubaschneider gab es vor zwanzig Jahren
250, jetzt kaum 100. Wenn man noch andere Gewerbszweige, die Kürschner, „ungarischen
Schneider", Kundeuschneider, Loden- und Seidenhutmacher, Knopfmacher u. s. w. hinzu
rechnet, findet man, daß der Gewerbestand noch jetzt, wie vor zweihundert Jahren, einen
sehr bedeutenden Bestandtheil der Bevölkerung von Szatmär-Nemeti ausmacht.
Der viereckige, wohlgepflasterte und mit stockhohen Häusern umgebene Hauptplatz,
Deäkplatz genannt, ist einer der größten und schönsten Plätze des Landes. Er ist mit einer
Allee von Kugelakazien umzogen und in seiner Mitte kreuzen sich zwei Alleen von jungen
Roßkastanien. In der Mitte der Ostseite steht die zweithürmige römisch-katholische
Kathedrale, während der schöne bischöfliche Palast und die Domherrenhäuser an den
Ecken der auf den Platz mündenden Straßen stehen.
Dieser Platz mit seinen Jahrmärkten und noch mehr mit den wöchentlichen Mitt
wochsmärkten bildet den Verkehrsmittelpunkt eines großen Gebietes, welches die Comitate
Szatmar und Ugocsa umfaßt. Hier stapelt die ackerbautreibende Bevölkerung eines weiten
Landstriches ihre Producte auf, der Magyar seinen Weizen und anderes Getreide, der
Walache besonders seinen Mais, und hier kaufen die Landleute auch ihre geringen Lebens
bedürfnisse ein. Auf und neben den vielen Wagen, welche reihenweise auf dem Marktplatz
und in dessen Nebengassen halten, sieht man das Volk des ganzen Szamoslaufes, des
Erdöhat, Ugocsas und des Avaslandes, die Leute von Erdöd, Szinyör-Varalja und Nagy-
Banya; in Dolmany und verschnürter „Huszärka", in „Läjbi" (Westenleibchen) und
„Puszli" (auch Pruszli — Leibchen), in kurzem Hemde mit breitem Leibgurt, der dem
Walachen alle Dienste einer Reisetasche leistet, welche er überdies nicht einmal in der Hand
zu tragen braucht, in hohen, schmalkrämpigen Hüten oder breiten, flachen Deckeln, in
Czismen (Stiefeln) oder Bocskors (Bundschuhen) sieht man die Männer sich bewegen;
im Faltenrock, mit eingebundenem Kopfe, in zierlich ausgenähten oder farbig gewebten
Hemden und „Katrinczas" (Doppelschürzen) erscheinen die Weiber. Die magyarischen
Männer, besonders die Bursche, sind hochgewachsen, flink, munter und hübsch, die
walachischen sind kleiner, jedoch muskulös und erscheinen etwas schwerfällig und arg
wöhnisch. Die walachischen Mädchen aber, auch von Szirmay, dem Geschichtschreiber des
Szatmärer Comitats, „ein rundlich geformter und besonders schöner Schlag Frauen"