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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Körös  in  das  Bekeser  Comitat  hinab  zum  Verkauf  befördert.  Die  abgemähten  Rohrgarben
schnürte  man  mittelst  zusammengedrehter  Weidenruthen  zwischen  Stangen  in  Bündel  und
schwemmte  diese  ganz  so  wie  die  Flößer  ihre  Fichtenstämme  stromabwärts,  zuweilen  an
die  tausend  Garben  in  einem  zusammenhängenden  Stück.
Bei  Kot  und  Jräsz  sieht  man  ein  Durcheinander  von  feuchten  Senken  und  Rohrdickichten, ­
  seichten  Tümpeln  und  weichen  Rasenflächen,  moorigen  Strecken  und  flottirenden
Wiesen.  Hier  und  da  erheben  sich  aus  dem  Sumpfland  gleich  einer  Insel  ein  paar  hundert
Joch  Kulturboden,  orrrmK^  genannt.  Hochschaftiges  Schilf  und  Wasserfarne  bezeichnen
den  Moorboden  —  ein  gefährlicher  Teppich!  Das  hohe  Schilf  nämlich  drängt  sich  zwar
gruppenweise  auf  großen  Strecken  Bodens  zusammen,  doch  bildet  jeder  Busch  desselben
eine  abgesonderte  Säule,  deren  Basis  ein  braunes  Geflecht  von  abgestorbenen  Blättern,
Stengeln,  Strünken  und  Wurzelfasern  ist,  wogegen  die  Säulenhäupter  als  lauter  hellgrüne ­
  Schopfe  von  scharfen  Blättern  und  Stielen  erscheinen.  Zwischen  diesen  Massiven
des  Moores  aber  gähnen  häufig,  kaum  einen  halben  Fuß  dick  mit  vegetabilischem  Moder
bedeckt,  tiefe  Löcher,  in  denen  man  rettungslos  versinken  kann.
Zwischen  den  Rohrhainen  findet  sich  da  und  dort  eine  abgezirkelte  Wasserfläche,  den
Lichtungen  im  Walde  vergleichbar.  Die  Dickichte  selbst  sind  im  Zickzack  von  Wasseradern
durchbrochen,  welche  das  rohrbestandene  Wiesenland  in  Inseln  zerschneiden.  Die  Rohrbestände ­
  sind  sehr  dicht  und  lassen  kaum  irgend  eine  andere  Vegetation  aufkommen.  Ihre
Ränder  starren  von  schwertblätterigen  Pflanzen;  sind  diese  Ränder  moorige  Pfützen,  so
sind  sie  dicht  durchwachsen  mit  Wasserschierling,  giftigem  Wassereppich,  Wasserviolen,
Rebendolden,  Wallwurz  u.  s.  f.
Schlamm  und  Schlammwasser  sind  das  Lebenselement  einer  Thierwelt,  die  nach
Milliarden  zählt.  Still  ist  es  da  niemals,  das  kleine  Wassergethier,  die  Reptilien  und
Vögel  regen  sich  fortwährend  und  lassen  ihre  Stimmen  erschallen.  An  Krebsen,  Schildkröten ­
  und  Blutegeln  ist  auch  kein  Mangel,  doch  gab  es  früher  noch  mehr.  Die  Komädier
Krebse  waren  seinerzeit  so  berühmt,  daß  sie  den  Stolz  des  Dorfes  bildeten  und  sogar  die
Galerie  der  alten  Dorfkirche  mit  vier  großen  rothen  Krebsen  geschmückt  war.
Beide  Sarret  sind  sehr  fischreich.  Selbst  in  den  isolirten,  trogartigen  Tümpeln  mit
stehendem  Wasser  gedeiht  mancher  Fisch,  zum  mindesten  ein  lumpiger  „Bobaly"  (vmdrn
ourüim).  In  der  Reißenden  Körös  fängt  man  zuweilen  auch  Störe.  Häufig  sind  Grundeln,
Karauschen,  diese  nur  in  stehendem  Wasser,  dann  Karpfen,  Schleißen,  Welse,  Hechte,
Barsche,  Zigeunerfische  (eine  Schleihenart),  so  genannt,  weil  ihr  Fleisch  höchstens  für
Zigeuner  taugt,  und  allerlei  Arten  von  Weißfischen.
Das  interessanteste  Verfahren  der  Fischer  im  Sarret  ist  das  mit  Senkreusen.  Sie
verstellen  den  Lauf  der  Gewässer  auf  eine  Länge  von  hundert  bis  zweihundert  Schritt  mit
            
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