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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Himmel und er sagt genau, wie viel Uhr es ist; am Gezappel der Grundel erkennt er, 
daß ein Gewitter bevorsteht. Mit Sicherheit gibt er die Richtung des Windes an; dazu 
steckt er sich den Zeigefinger tief in den Hals, um ihn recht naß zu haben, und hält ihn 
dann über den Kopf, um ihn vom Winde treffen zu lassen. 
Jndeß, der „Päkäsz" ist seither so gut wie völlig ausgestorben. Der Große Särret 
ist eingegangen, in den Kleinen Särret aber, von dem noch eher etwas vorhanden, ist die 
Eisenbahn eingedrnngen, diese feurige Feindin aller Urzustände. Die Gewässer des Särret 
fließen durch Kanäle ab, sie können den Sumpf nicht mehr nähren. Die Gemeinden am 
Rande des Moorgebietes haben auf diese Art ungeheure Strecken gewonnen. Die 
Gemeinde Komädi allein hat 20.000 Joch ausgetrockneten Boden aufgebrochen, der 
ehedem mit Dickichten von Wasseraloe, mit Sumpf und Sumpfgestrüpp erfüllt war. 
Ehe das Land zum ersten Male geackert wird, zündet man die „Wiese" an. und 
zwar bei großem Winde „unter dem Wind". Nun ist es aus mit dem bekannten Geflüster 
des Rohres, denn ein höllisches Geprassel und Gekrach hebt an, der ganze Rohrwald geht 
in Flammen auf. Vor dem rasch um sich greifenden Feuermeer flüchten mit Windeseile, in 
der Richtung des Windes, alle Bewohner des Dickichts: voran der Hase, hinter ihm drein 
Wolf und Fuchs, über ihnen in Schwärmen von Tausenden das unabsehbare Volk der 
Vögel, das die Luft mit wüstem Geschrei, Gekreisch und Gepiep erfüllt. Schon bei Tage 
ist dieser Anblick überraschend, bei Nacht ist er unübertrefflich schön. 
„Wiesenbründe" sind im Särret nicht selten. Zur Zeit der Rohrmahd, bei wind 
stillem Wetter, brennen zuweilen die Eigenthümer selbst beträchtliche Lichtungen in das 
Gestrüpp, eben nur um das geschnittene Rohr dort abzulegen und in dieser Jsolirung vor 
etwaigen Bränden zu schützen. Im Frühling aber sengt man sehr häufig das vom Rohr 
übrig gebliebene Strunk- und Krümelwerk ab, nur um den Ertrag des nächsten Jahres 
rein zu gewinnen. In dürren Jahren kommt im Särret auch eine andere, viel gefährlichere 
Art von „Wiesenbrand" vor. Auf ausgetrocknetem Sumpfboden, oft auch wenn er schon 
der Cultur unterworfen ist, hört man an vielen Stellen den Tritt des Fußes von einer fest 
verfilzten, zu einer Art Torf zusammengestandenen Schichte vegetabilischer Abfälle wieder 
hallen — der Boden dröhnt unter dem Fuße, als schritte man über einen Kellerhals. Will 
es der Zufall, so geräth durch ein Hirtenfeuer oder durch ein anderes angelegtes Feuer 
der Rasentorf in Brand. Alsbald erfüllt sich die Luft mit einem dem Steinkohlendampf 
ähnlichen, aber noch weit erstickenderen Brodem. Als Schlot dient dem Brande irgend 
ein Maulwurfsgang, aus dem von Zeit zu Zeit eine gelbe oder blüntichgelbe Flamme 
aufschießt. Ein anderes Zeichen des Brandes gibt es auch gar nicht, und wenn' die 
Torfschichte tief liegt, verräth er sich nur dadurch, daß die Vegetation plötzlich vergilbt, 
verdorrt und abstirbt. An manchen Stellen frißt die Glut jahrelang, kaum einen Fuß
	        
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