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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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1871  löste  die  ungarische  Gesetzgebung  die  Militärgrenze  auf  und  bekleidete
Pancsova  mit  eigener  Jurisdiction.  Hiermit  beginnt  die  neue  Ära  in  der  Geschichte  der
Stadt,  welche  das  Wurzelfassen  constitutivnellen  Lebens  sowie  ein  gewaltiger  Fortschritt
auf  geistigem  Gebiete  charakterisirt.
Von  den  circa  20.000  Einwohnern  Pancsovas  sind  2.000  Ungarn,  7.000  Deutsche,
8.000  Serben,  die  übrigen  Rumänen,  Slovaken  u.  s.  w.  Das  ungarische  Element  war  in
frühem  Zeiten  hier  mächtig.  Auch  jetzt  herrscht  es  in  der  Intelligenz  der  Stadt  vor  und
hat  eine  bedeutende  Stütze  in  den  Szekler-Colonien  der  Umgegend  erhalten.  Größere
deutsche  Colonisationen  fanden  in  den  Jahren  von  1760  bis  1780  statt,  besonders  aus  dem
Elsaß  und  Lothringen,  später  auch  aus  Böhmen,  dann  aus  den  Wiener,  Olmüzer,  Prager
und  Pester  Jnvalidenhänsern.  Die  Deutschen  bewohnten  die  Unterstadt  (Deutsch-Pancsova);
die  Serben  wurden  vom  XV.  Jahrhundert  angefangen  durch  den  Fall  des  serbischen
Reiches  und  die  Quälereien  der  Türken  zur  Einwanderung  nach  Ungarn  gezwungen.  In
Pancsova  nahmen  sie  in  der  Oberstadt  (Raizisch-Pancsova)  ihre  Wohnsitze.  Ihre  Zahl
vermehrten  bedeutend  die  1794  her  angesiedelten  Rumänen,  die  in  der  Unterstadt  zwischen
den  Deutschen  eine  Unterkunft  fanden,  aber  in  kurzer  Zeit  serbisirt  wurden.
Tie  ungarischen  Bewohner  Pancsovas  sind  zum  Theil  katholischer,  zum  Theil
refvrmirter  Religion.  Die  Deutschen  sind  zum  größten  Theil  Katholiken,  doch  gibt  es  unter
ihnen  auch  Lutheraner  und  Reformirte,  während  die  Slovaken  zumeist  Lutheraner  sind.
Die  Serben  und  Rumänen  gehören  der  griechisch-orientalischen  Kirche  an.  Unter  den  Juden
gibt  es  auch  Frenken  (spanische  Juden).
Pancsova  ist  eine  regelmäßig  gebaute,  nette  Stadt.  Es  besitzt  zwei  schöne  Plätze:  den
Franz  Josefs-  und  den  Elisabeth-Platz.  Von  den  öffentlichen  Gebäuden  sind  erwähnenswerth:
  die  mit  zwei  Thürmen  versehene  stattliche  ältere  und  die  neue  serbische  Kirche,  das
ansehnliche  Rathhaus,  das  neue  schmucke  Gebäude  des  Staatsgymnasiums  und  das
städtische  Spital.  Pancsova  besitzt  ein  Staats-Obergymnasinm,  eine  Bürgerschule,  eine
staatliche  und  eine  serbische  höhere  Mädchenschule,  zwei  Journale  und  zahlreiche  gemeinnützige ­
  Vereine.  Die  Ungarn  haben  drei  Vereine:  einen  Verein  zur  Verbreitung  der
ungarischen  Sprache,  einen  Geselligkeits-  und  einen  Gesangsverein.  Unter  den  Unternehmungen ­
  sind  zu  erwähnen:  die  beiden  Geldinstitute,  die  vier  Buchdruckereien,  die  drei
Dampfmühlen,  die  Bachmann'sche  Ziegelfabrik,  die  staatliche  Seidenspinnerei.  Schließlich
ist  hier  wichtig  die  zur  Untersuchung  der  vom  Auslande  einlangenden  Thiere  und  Producte
berufene  Einbruchstation  und  das  Oberzollamt.  Handel  und  Gewerbe  ist  lebhaft.  Pancsovas
Weizen-  und  Maismarkt  ist  ersten  Ranges.
Sechs  Kilometer  östlich  von  Pancsova,  von  einem  schönen  Walde  umgeben,  liegt
das  serbische  Kloster  Vojlovicz,  gegründet  im  Jahre  1383  vom  serbischen  Despoten
            
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