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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Bauernburschen in der Musik unterweist. Einige dieser deutschen Dorsmnsiken bringen es 
in ihrem harmonischen Handwerk so weit, daß sie selbst die schwierigsten Musikstücke nach 
den Noten überraschend gut vorzutragen verstehen. Einen besonderen Ruf haben sich die 
deutschen Kinder-Mnsikkapellen von Zsombolya, Varjas und Groß-Becskerek erworben, 
welche sogar Kunstreisen im Ausland machen. 
Trotz ihres ziemlich hohen Bildungsgrades ist unter den südungarischen Deutschen 
noch viel Aberglaube und Vorurtheil verbreitet. Ist Einer krank und fühlt sich 
Sonntags besser, so wird die Besserung nicht von Dauer sein, ja er kann leicht sterben. 
Fühlt sich dagegen der Kranke am Sonntag schlechter, dann darf man wohl auf seine 
Genesung hoffen. Macht Jemand seinen ersten Besuch bei einem Kranken, so muß er sich 
hinter den übrigen verbergen, um vom Patienten nicht gleich bemerkt zu werden. In 
solchem Falle pflegt man ganz leise den Spruch herzusagen: 
„Sünder! wenn du leidest zur Buß, 
So rühre den Fuß; 
Leidest du aber zum End', 
So rühre die Händ'." 
Und wenn dann der Kranke zufällig das Bein bewegt, so ist noch Hoffnung, daß er genese, 
regt er aber von ungefähr eine Hand, so hält inan ihn für verloren. Wenn am Kranken 
bett der Docht des brennenden Lichtes sich hakenförmig nach abwärts krümmt, so bedeutet 
dies den Tod des Kranken. Läßt sich der Strick unter dem ins Grab hinabgelassenen Sarge 
nur schwer wieder hervorziehen, so stirbt bald wieder Jemand aus derselben Familie. Im 
Sterbehause muß man alle Stühle, auf denen der Sarg geruht, Umstürzen, sonst kehrt die 
Seele des Todten zurück. Brennt bei einer Trauung die Kerze auf der einen Seite des 
Altars schwächer, so stirbt die Ehehälfte, die auf jener Seite steht, früher als die andere. 
Tie flackernde Flamme der Altarkerzen aber bedeutet, daß es unter den Eheleuten viel 
Hader geben wird. Ein am Mittwoch geworfenes Kalb bleibt nicht am Leben. Dem Huhn 
müssen die Eier bei Vollmond, und zwar unpaarig untergelegt werden. Nach Sonnen 
untergang darf man kein Brot und keine Milch aus dem Hanse geben. Das Brot geht 
nicht auf, wenn beim Kneten ein Mann zusieht. 
Von Hexen und Geistererfcheinungen wissen sie viel zu berichten. Auch die 
Irrlichter sind sehr gefürchtet, weil sie Einen ins Verderben locken können. Tie Nacht vor 
dem ersten Mai verhängen sie Thür, Thor und Fenster, wie überhaupt jede Öffnung am 
Hause mit Fliederzweigen, damit die Hexen nicht hinein können. Auch einen Pferdeschüdel 
pflegt man zu dieser Zeit über dem Hauskhor anzubringen. Am Treikönigstag zeichnet 
man mit geweihter Kreide drei sich durchschneidende Dreiecke, den „Trutenfuß", an die 
Stubenthür, damit die Hexe (der Alp) Keinen, der in der Stube schläft, drücken kann.
	        
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