632
werden, selbst das jüngste, da aber das Oberhaupt die meiste Erfahrung besitzen muß,
wählt man meistens den Ältesten; daher der Ausdruck »staromnu" (der Alte), womit bei
den Slaven noch jetzt der Inhaber höherer Macht bezeichnet wird. Der Staresina hat
das entscheidende Wort in allen Angelegenheiten der Hausgemeinschaft. Er weist die
einzelnen Wohnräume zu und theilt die Arbeitszeit ein. Doch verlieren die Mitglieder der
Zadruga trotz der großen Macht des Staresina weder ihre persönliche Selbständigkeit,
noch ihr Besitzrecht. Jedes Mitglied hat seinen gleichen Theil am gemeinsamen Besitz und
kann nebenher auch noch Privatvermögen erwerben, über das es nach Belieben verfügen
mag. Auch der Austritt ist gestattet, sowie die Aufnahme neuer Mitglieder. Das Leben in
der Hausgemeinschaft ist sehr einfach und fast alle Bedürfnisse werden durch die Haus
industrie gedeckt. Jetzt indeß ist die Institution schon im Sinken begriffen. Am kräftigsten
gedieh sie bis ans die neueste Zeit in der gewesenen ungarisch-kroatischen Militärgrenze, bis
ihre Aufhebung gesetzlich angeordnet wurde. — Werfen wir nun einen Blick ans den
Lebenslauf des Serben, vor Allein auf seine Familienfeste.
Kindstaufe (ürstsrsis). Sobald die Frau bemerkt, daß sie in gesegnetem Zustande
ist, flüstert sie es irgend einem Mitgliede des Hausstandes zu, da durch Geheimthnerei
das Kind in Gefahr schwebt, stumm zu werden. Gleich nach der Geburt eilt der Vater in
der Regel zu seinen: gewesenen Hochzeitsbeistand und bittet ihn, Taufzeuge zu sein. Diese
Einladung wird, selbst wenn es ungern geschieht, in jeden: Falle angenommen; ihre
Ablehnung ist undenkbar, auch wenn es sich um den ärmsten Menschei: handelt, der, um
einen Beschützer zu gewinnen, eine reiche, ansehnliche Familie angeht.
Nach der Einladung geht der Gevatter in das Haus, um das Kind zur Taufe zu
bringen. Entweder er oder die Gevatterin muß es aber vorher dreimal über der Schwelle
ans und nieder schwenken. Nach der Taufe geht der Gevatter in das Haus zurück und
übergibt dort das sogenannte Taufgeld (üoroLmn); dieses gehört der Kindbetterin, die
dafür meistens Leinwand auf Kinderhemden kauft.
Die Wohlhabenderen Pflegen bei der Kindstaufe die Verwandten und Freunde auch
zu bewirthen, welche ihrerseits dem Kinde Geschenke und Geld spenden. Das Mahl dauert
in heiterer Stimmung oft bis zun: Abend fort. Jeder Gast muß von jeder Speise essen,
damit das Kind nicht wählerisch im Essen werde. Der Vater ist, besonders wenn es einen
Knaben gilt, geradezu verschwenderisch, er kann gar nicht genug anbieten. Schließlich werden
die Schmausenden warm und tanzen, damit der Hanf recht wachse, singend, zuweilen auch
nach den: Dudelsack (mit Ausnahme der Fastenwochen, sonst würden ihre Pflaumen von
den Bäumen fallen). Selbst im ärmsten Hause wird für diese Gelegenheit ein Eimer Wein
angeschafst. Schließlich entfernen sich die Gäste singend, unter Segenswünschen für das
ganze Haus. Der Tanfpathe ist der Letzte.