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Mit großen brennenden Wachskerzen, unter der Absingung von Kirchenliedern, begeben
sie sich in die Mitte der Kirche, Ivo an dem mit kirchlichen Sinnbildern versehenen Tische
der Priester die Hände des Brautpaares mit einem durch den Dever gekauften Seidentuch
zusammenbindet, die Brautjungfern die Häupter und Schultern des neuen Paares mit
dem durch den Küm, Starisvat und Dever gekauften „proves- (seidene oder andere
Kleiderstoffe in ganzen Stücken) verhüllen. Dann setzt der Priester zuerst die Krone dem
Bräutigam auf und sagt: „Gottes Knecht, ich kröne dich für die Magd Gottes." Dann
setzt er sie der Braut ans mit den Worten: „Gottes Magd, ich kröne dich zum Weibe dieses
Mannes, sei ihm Begleiterin und Genossin dieses Leben hindurch!" Darum nennen die
Serben die Trauung auch Heiratskrönung. Die Vermählten behalten die Kronen bis zum
Ende der Ceremonie auf. Die Kronen waren ehemals nur Kränze aus Blumen oder
frischem Laub, um die unverwelkbare Jugend und Keuschheit zu versinnbildlichen; jetzt
sind es wirkliche Kronen, bei den Reichen aus Gold oder Silber, bei den Armen aus
anderem Metalle.
Bei der Trauung gibt der Priester dem neuen Paare aus einem durch den Dever
gekauften Glase voll rothen Weins dreimal zu trinken, nicht nur um an die Hochzeit von
Kana zu erinnern, sondern auch um durch das gemeinsame Trinken an den gemeinsam zu
leerenden Freuden- oder Leidensbecher zu mahnen.
Wenn der Priester die Worte spricht: „Die Frau fürchte ihren Mann", da tritt der
Bräutigam der Braut auf den Fuß, zum Zeichen, daß er von nun an ihr Herr und
Gebieter ist. Nach der Trauung spricht der Priester die Worte: „Die Kirche Gottes freut
sich, daß Ihr unter ihre Mitglieder eingetreten seid." Küm und Starisvat stehen als
Zeugen, brennende Kerzen haltend, hinter dem Paare, das sich nach Beendigung der
Ceremonie zu ihnen umwendet und ihnen die Hand küßt.
Nach dei Trauung geht die Hochzeitsgesellschaft unter lustigem Gesänge nach dem
Hause der Braut, wo die Eltern schon ihrer harren, um sie mit allerlei Nationalspeisen
reichlich zu bewirthen. Während des Mahles zählt der Tschausch in sehr belustigender Weise
die Speisen auf, welche dieser und jener geladene Gast gespendet. Hat z. B. Einer ein
Spanferkel gebracht, so sagt der Tschausch: „Dieser Gast wohnt nahe am Wasser und hat
eine Wasserratte gefangen." Ist das Geschenk ein Huhn, so stellt er sich, als hielte er es
für eine Krähe oder dergleichen; ist es ein stark gehörnter lebendiger Widder, so fragt er:
„Was mag das wohl für ein Vieh sein, ein Hirsch oder ein Ochse?" Aber jeder solchen
Vorstellung fügt der Tschausch zum Schlüsse den Satz bei: „Zu seinem (des Gebers) Ruhme
und allen seinen Brüdern zu Ehren" (das heißt, hat er es gespendet). Dann tragen meistens
zwei Burschen die Geschenke an einer Stange, wohl auch einer Fahnenstange, hinein, wobei
sie absichtlich hinken, als könnten sie die ungeheure Last kaum schleppen.