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Griff versehen, über den sich eine Roßhaarsaite spannt. Die berühmtesten Guslen sind die
aus Ahornholz. Ans der Gusla zn spielen ist nicht leicht. Der Unkundige vermag ihr nichts
als einen winselnden Ton zu entlocken, wogegen der Geübte ihr gar mannigfache Töne
abgewinnt; sie weint, klagt und jauchzt mit ihm, sie befeuert ihn und verliert sich wieder
in Wehmuth, die in leisem Hauch erstirbt. Jeder Serbe weiß die Schönheit dieser Musik
zu schützen und versteht, was die Gusla singt. In Noten hat man es noch nie gesetzt, man
spielt ans der Gusla nach Belieben. Von Jung und Alt, von Groß und Klein umdrängt,
sitzt der Guslar da, das ächzende Holz zwischen die Knie gepreßt, und entlockt ihn: mittelst
des Bogens die melancholischen Rhythmen, zn denen er in entsprechender Modulation die
alten Heldenlieder singt.
Die Gnslaren sind zumeist weißhaarige, oft auch blinde Greise. Sie erinnern an die
Propheten, wie sie denn wirklich Alles für heilige Wahrheit halten, was sie singen. Alte
Volkslieder sind es, ehrwürdigen Ruhmes voll, und sie singen sie zur Gusla am Klippen
rande des Sturzbachs sitzend oder im Schatten der hundertjährigen Eiche oder an der
Schwelle einer Felsenhöhle, aber auch auf Jahrmärkten, bei großen Feiertagen und an
Wallfahrtsorten und auch wieder an stillen Winterabenden am freundlichen Herdfeuer der
vielköpfigen Familie. In diesen Gesängen lebt das Leben des serbischen Volkes, seine
Geschichte und sein Gesetz, seine Religion und Politik. In ihnen sind die Thaten der
serbischen Zaren und Könige, Fürsten und Heerführer überliefert, auch die Verkündigungen
der nationalen Wahrsager, die süßen und bitteren, glänzenden und düsteren Träumereien
der Dichter — Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fassen sie in sich.
Der Kolo (Rnndreigen). Der Kolo-Tanz ist sehr einfach. Männer und Frauen
halten sich im Kreise gefaßt, gehen nach dem Takt des Dudelsacks drei Schritte nach links
und einen nach rechts und singen dazu verschiedene Kolo-Lieder. Zwischen die Männer,
die sich an den Händen halten, treten mit weißen Tüchern umgürtete Frauen. Vom Vor
tänzer (üolovocha) geführt, bildet die tanzende Gesellschaft einen Reigen, der sich nach und
nach zum vollen Kranze schließt. Der Kolo beginnt in langsamem Takt, setzt sich unter
Tändelei und Geplauder fort, wird dabei immer feuriger und schließt endlich in einem
rasenden Tempo. Sein Fortschreiten nach rechts und zurück nach links, dann wieder sein
Vorwürtsdringen im ganzen Halbkreise kann man ein gemächliches nennen, das abel-
zeitweilig von Ausbrüchen der Kraft unterbrochen ist. Man tanzt den Kolo im Frühjahr
und Sommer unter weithin schattenden Bäumen unter Gottes freiem Himmel, bei Wall
fahrten auf dem Hof der Kirche, zur Winterszeit in der Stube, aber doch auch zuweilen
ans schneebedecktem Plane. Und dazu singen die Burschen:
„Hei, du Dirnlein frisch und fein,
Du zergrämst das Herze mein."