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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Griff versehen, über den sich eine Roßhaarsaite spannt. Die berühmtesten Guslen sind die 
aus Ahornholz. Ans der Gusla zn spielen ist nicht leicht. Der Unkundige vermag ihr nichts 
als einen winselnden Ton zu entlocken, wogegen der Geübte ihr gar mannigfache Töne 
abgewinnt; sie weint, klagt und jauchzt mit ihm, sie befeuert ihn und verliert sich wieder 
in Wehmuth, die in leisem Hauch erstirbt. Jeder Serbe weiß die Schönheit dieser Musik 
zu schützen und versteht, was die Gusla singt. In Noten hat man es noch nie gesetzt, man 
spielt ans der Gusla nach Belieben. Von Jung und Alt, von Groß und Klein umdrängt, 
sitzt der Guslar da, das ächzende Holz zwischen die Knie gepreßt, und entlockt ihn: mittelst 
des Bogens die melancholischen Rhythmen, zn denen er in entsprechender Modulation die 
alten Heldenlieder singt. 
Die Gnslaren sind zumeist weißhaarige, oft auch blinde Greise. Sie erinnern an die 
Propheten, wie sie denn wirklich Alles für heilige Wahrheit halten, was sie singen. Alte 
Volkslieder sind es, ehrwürdigen Ruhmes voll, und sie singen sie zur Gusla am Klippen 
rande des Sturzbachs sitzend oder im Schatten der hundertjährigen Eiche oder an der 
Schwelle einer Felsenhöhle, aber auch auf Jahrmärkten, bei großen Feiertagen und an 
Wallfahrtsorten und auch wieder an stillen Winterabenden am freundlichen Herdfeuer der 
vielköpfigen Familie. In diesen Gesängen lebt das Leben des serbischen Volkes, seine 
Geschichte und sein Gesetz, seine Religion und Politik. In ihnen sind die Thaten der 
serbischen Zaren und Könige, Fürsten und Heerführer überliefert, auch die Verkündigungen 
der nationalen Wahrsager, die süßen und bitteren, glänzenden und düsteren Träumereien 
der Dichter — Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fassen sie in sich. 
Der Kolo (Rnndreigen). Der Kolo-Tanz ist sehr einfach. Männer und Frauen 
halten sich im Kreise gefaßt, gehen nach dem Takt des Dudelsacks drei Schritte nach links 
und einen nach rechts und singen dazu verschiedene Kolo-Lieder. Zwischen die Männer, 
die sich an den Händen halten, treten mit weißen Tüchern umgürtete Frauen. Vom Vor 
tänzer (üolovocha) geführt, bildet die tanzende Gesellschaft einen Reigen, der sich nach und 
nach zum vollen Kranze schließt. Der Kolo beginnt in langsamem Takt, setzt sich unter 
Tändelei und Geplauder fort, wird dabei immer feuriger und schließt endlich in einem 
rasenden Tempo. Sein Fortschreiten nach rechts und zurück nach links, dann wieder sein 
Vorwürtsdringen im ganzen Halbkreise kann man ein gemächliches nennen, das abel- 
zeitweilig von Ausbrüchen der Kraft unterbrochen ist. Man tanzt den Kolo im Frühjahr 
und Sommer unter weithin schattenden Bäumen unter Gottes freiem Himmel, bei Wall 
fahrten auf dem Hof der Kirche, zur Winterszeit in der Stube, aber doch auch zuweilen 
ans schneebedecktem Plane. Und dazu singen die Burschen: 
„Hei, du Dirnlein frisch und fein, 
Du zergrämst das Herze mein."
	        
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