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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Sie singen, bis Jemand aus dem Hause tritt und die Dodola mit einem Zuber 
Wasser begießt; dann ziehen sie unter Juchhe und Halloh weiter. Beim Dodola-Gauge 
wird ferner gesungen: 
Vor dem Hause: 
„Mädchen, flehen wir zum Herrgott, 
Oj, dodo, oj, dodola! 
Daß uns Regen niederthaue, 
Thaue lind auf Wies' und Saatfeld, 
Fruchtbar mache unser'n Weizen, 
Unser'n Mais im grünen Blattschmuck. 
Unterwegs: 
„Durch das Dorf wir geh'n hier unten, 
Durch den Himmel Wolken oben, 
Wir gar eilend, sie gar eilend, 
Doch sie eilten noch geschwinder 
Und bethauten Wein und Weizen." 
Die Benennung „Dodola" wird auch als Spottwort gebraucht; hat sich z. B. ein 
Kind beschmutzt, so ist das „Dodola"; kleiden sich Erwachsene oder alte Leute unschicklich, 
so ist das wieder „Dodola". Auch ein Ehemann, der unter dem Pantoffel steht, ist 
„Dodola". 
Weinlese (barbu). Die Weinlese ist ein „Umwandlungsfest," das die Serben so 
nennen, weil die süße Traube sich in feurigen Wein verwandelt. Die Trauben werden 
unter fröhlichem Gesang gelesen, gepreßt, gekeltert, und auch der Schmaus fehlt dabei nicht. 
Fast in jedem Weingarten erklingen heitere Weinleselieder: 
„Lesen wir die Purpurtraube, 
Saft der reichen Rebenlaube, 
Daß die Butten werden schwer; 
Wer zuerst sein Theil geendet 
Und den vollen Korb uns spendet, 
Kriegt auch einen Kuß in Ehr'." 
Die Zuberleute schleppen die vollen Gefäße, mehr als ein Schnäpschen im Magen 
und das Pfeifchen im Munde, unter Gesang und Dudelsackklängen, Flintenschüssen und 
hundertfältigem Gejauchze. Abends werden mit vorjährigem Reisig allerlei Feuer entzündet, 
Feuerwerke abgebrannt, Trinklieder gesungen: („Hab' getrunken, bin betrunken" u. s. w.) 
„Drauf und dran, ihr Burschen, leert das volle Glas! 
Daß euch auch die trockne Laune werde naß. 
Klinge, Dudelsack, und rufe, hei! zum Tanz; 
Wein, Musik und Tanz, da fühlt das Herz sich ganz. 
Auf, begrabt im Reigen heut' der Sorgen Schwarm, 
Jeder tanze, froh und traurig, reich und arm. 
Trägt uns dann der Fuß nicht mehr, sinkt müd' die Hand, 
Singen wir ein Lied vom theuren Vaterland: 
Hoch die Heimath! hoch der Serben Lied und Tanz! 
Unsre Seel' mit Rosen fesselt dieser Kranz."
	        
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