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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Die Theißinseln sammt ihren Bewohnern bildeten noch in der jüngsten Vergangen 
heit ein Stück interessanter, unbekannter Welt im Lande. Durch die eisige Frühlingsflut 
an dem einen Ende fortwährend abgebröckelt, am anderen angeschwemmt, durch den 
veränderlichen Lauf des Theißbeckens bald dem einen, bald dem andern Cvmitate 
angegliedert, gehörten sie zumeist den Ufergemeinden als ein Besitz von zweifelhaftem 
Werthe. Auf ihren hügeligen Theilen wachsen Weiden, Silberpappeln, Erlen zu pfad 
losem Gebüsch zusammen, in den Niederungen Röhricht, Ginstergesträuch, bedeckt mit 
Anis und wildem Kümmel, ein Sammelplatz der fischsressenden Wasservögel, die um die 
breitästigen Bäume herum wahre Guanolager absetzen, auf denen die wilde Brombeere 
lustig gedeiht; die Höhlen der Bäume sind voll mit wilden Bienen; auf den Zweigen 
hängen die Kugeln riesiger Wespennester, die Pappeln sind dicht beladen mit Krähen 
nestern und Misteln; an den Zweigen des jungen Holzes hängen wie Wunderfrüchte 
die Nester der Feigendrossel, aus Weidenwolle meisterhaft zu einem Beutel zusammen 
gewirkt; in den Erdrissen sieht man die zellenartigen Höhlen der Uferschwalben; im 
Hinteren Theile der Insel das dichte Schwingeldickicht (Usstuen lluitaiis), dessen Frucht 
der „Thaubrei" ist und dessen Wurzel von „lebendem" Wasser befeuchtet sein will. Die 
Insel bietet außer den Flugthieren, nur solchen ein Heim, deren „Gevatter" das Wasser 
ist: der Fischotter, der Wasserratte, der Schildkröte, ja man sieht hier und da sogar 
die Spuren -eines Biberlagers; Schlangen und Ochsenfrösche gibt es in großer Menge. 
Das eine Ufer, welches dem befahrenen Flußarm folgt, betreten hier und da auf 
kurzen Besuch die Flößer und schlagen eine improvisirte Hütte ans, bis der Wind, der ihre 
Flöße ans Ufer trieb, nachgelassen. Manchmal läßt sich auch ein kühner Jäger vom anderen 
Ufer hinüberführen, der die Leidenschaft hat, seltene Wasseradler, braune Ibisse zu 
schießen, oder ein in die Botanik verschossener Dorflehrer, der die seltene Meerkvhlwurzel 
(Oambs Dutaria) sucht, von welcher (nach Diöszegi) ein Stück zwanzig Menschen satt 
macht. Die Inseln hatten jedoch auch ständige Bewohner, aber ihre Qualification finden 
wir in den Volkszählungslisten nicht. Das sind Menschen, die von „Nichts" leben, die im 
Winter Grundeln fangen und im Sommer mit einem Stück Schafpelz Wassernuß fischen, 
die Heilkräuter pflücken, das „Salep" aufsuchen, im Winter von den Espen das „Popinm" 
sammeln, die Mistel zum Vogelleim bereiten und daniit die Vögel fangen, dem Kibitz 
listig seine gut versteckten Eier nehmen; sie machen ans Beifnß Zündschwamm und ans 
dem Zweig des Schlingstrauches wohlgebohrte Pfeifenrohre, sie fegen die Soda zusammen 
und suchen, was noch werthvoller ist, den Salpeter auf, den ihnen die rothblätterige 
Vegetation verräth und der üppige Ampfer - (rumex); sie kochen ihn in großen stark 
riechenden Erdkesseln aus, auch schälen sie die Rinden der jungen Bäume ab für die 
ungarischen Csizmenmacher, und können sogar den „Thaubrei" in Säcke füllen. Wer unter
	        
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