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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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Kräfte  versagen  in  der  That  niemals.  Das  Volk  des  Theißthales  ist  durch  Jahrhunderte
langen  Kampf  um  seine  Existenz  bereits  zum  Krieg  gegen  das  Wasser  erzogen.  Unglaublich
sind  die  Anstrengungen,  deren  das  Volk  des  wassergeprüften  Alföld  in  seiner  Nothwehr
gegen  das  Hochwasser  fähig  ist.  Wird  die  Gefahr  dringend,  dann  wimmeln  die  sonst  so
stillen  Dämme  von  herbeigeeilten  Menschen  wie  von  Ameisenschwärmen.  Die  Leute
organisiren  sich  in  Gruppen,  deren  jede  ihre  eigene  Aufgabe  hat,  ganz  wie  die  verschiedenen
Waffengattungen  im  Kriege.  Da  gibt  es  Fußvolk,  Reiterei,  Fuhrwesen,  sogar  Flotillen,
denn  zu  Wasser  und  zu  Lande  wird  der  Krieg  geführt.  Die  eine  Schar  zieht  mit  Schaufeln

Arbeit  auf  dem  Damm.

und  Hauen  bewaffnet  nach  dem  ihr  bezeichnten  Punkt  aus,  hinter  ihr  drein  das  Geschwader
der  Karrenschieber;  die  andere  schleppt  Pfühle,  Reisig,  Materiale:  berittene  Boten  sprengen
da  und  dorthin  mit  Befehlen  ans  dem  Hauptquartiere,  in  dessen  Umkreise  sich  ein  vollständiges ­
  Lagerleben  entwickelt.
Man  muß  die  Arbeit  gesehen  haben,  welche  hier  zu  solcher  Zeit  in  fieberhafter  Eile
verrichtet  wird!  Das  Volk,  an  schwere  Erdarbeit  längst  gewöhnt,  schafft  in  bewunderungswürdiger ­
  Weise.  Der  Bewohner  eines  lockeren  Bodens  wäre  kaum  im  Stande,  den  Spaten
in  diese  fest  znsammengebackene  schwarze  Erde  auch  nur  hineinznstoßen,  aus  der  ein
„Cubikmann"  von  der  Theiß  mit  größter  Leichtigkeit  Brocken  von  fünf  bis  sechs  Kilogramm
Gewicht  herausreißt,  auf  seinen  Schubkarren  wirft  und  über  das  schmale  Laufbrett  hinaufrollt ­
  zur  Dammkrone.
            
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