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Spytiguev, als Fürst dieses Namens der Zweite, und sein Nachfolger Vratislav II.
führten die alte Hauptkirche, die jetzt den Landespatronen St. Veit, St. Wenzel und
St. Adalbert gemeinschaftlich geweiht wurde, von Grund ans neu auf; der Leib des
heiligen Wenzel wurde ans Bunzlan dahin übertragen und am Eingang der ihm
gewidmeten Kapelle jener metallene Ring angebracht, den der Märtyrer im Todeskampf
erfaßt haben soll. Diese Kapelle, gleich jener des heiligen Adalbert, waren fortan das
Ziel jährlich wiederkehrender Wallfahrten nicht blos aus der Umgebung, sondern auch aus
den deutschen Nachbarländern.
Vratislav II., der erste böhmische König, 1061 bis 1092, war es auch, der am
Porte eine deutsche Gemeinde einrichtete und mit Exemtionen von den Abgaben und
Leistungen der einheimischen Bevölkerung begnadete, daher sie rasch nicht blos an Wohl
stand, sondern auch an Ausdehnung zunahm; sie erhielt eine Kirche zum heiligen Petrus,
die später eine Commende des deutschen Ritterordens wurde.
Es ist hier nicht der Ort, eine Geschichte Prags zu schreiben, die, wie das monu
mentale Werk W. W. Tomeks beweist, im Grunde die Geschichte des ganzen böhmischen
Landes ist; es sollen hier blos in einfachem Chronistenstil jene Momente hervorgehoben
werden, die auf die Bau- und Entwicklungsgeschichte unserer Stadt von unverkennbarem
Einfluß waren.
Erwähnen wir daher kurz die Hochflut der Moldau 1118, wobei die alte Holz
brücke, über welche die Wogen bei zehn Ellen hoch hinweggeströmt sein sollen, zu Grunde
ging; die Einführung des neuen Ordens der Prämonstratenser und die Gründung ihres
Klostersitzes ob dem Strahov, illons 8Ion, durch König Vladislav II. und dessen
Gemalin, die Babenbergerin Gertrude; die Erbauung einer neuen steinernen Brücke
1153 bis 1167 durch Vladislavs zweite Gemalin Judith; die Schlacht 1179 beim Dorfe
Rybnik zwischen den Fürsten Friedrich und Sobeslav II-, die mit dem Siege des Elfteren
endete und von dessen Gemalin, der ungarischen Elisabeth, zur dankenden Erinnerung
durch Errichtung einer Kirche auf dem Kampfplatze, der seither im Volksmunde
boMti" hieß, gefeiert wurde. Wir überspringen nahezu ein Jahrhundert und sind bei dem
glanz- und ruhmvollsten Herrscher aus dem Hause der Premysliden Premysl Otakar II.
angelangt. Bei den Nachbarvölkern hieß er „der goldene König", das eigene Land konnte
ihn mit gleichem Recht den Deutschcnkönig und den Städtegründer nennen. Denn aus
giebiger als es von einigen seiner Vorfahren unternommen worden war, zog er Ansiedler
aus Deutschland herbei und führte sie in zahlreichen für Gewerbe und Handel passend
gelegenen Orten ein, denen sie städtische bürgerliche Einrichtungen geben und dadurch
jenes Element, das sich bei ihnen daheim als ein so großer Cultnrfactor erwiesen hatte,
in seinem eigenen Lande zur Entwicklung bringen sollten. Er ging dabei herrisch, ja