Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

198

war  dies  nämlich  jene  Stelle,  von  welcher  aus  die  Urheber  und  Hauptförderer  hochverräterischen ­
  Beginnens  am  21.  Juni  1621  das  Gerüst  bestiegen,  auf  welchem  sie,
viernndzwanzig  an  der  Zahl,  vor  dem  Freimann  das  Haupt  aus  den  Block  legen  mußten,
und  an  jenes  entsetzliche  Schauspiel  sollte  wohl  die  Nachwelt  durch  den  Anblick  des
niedrigen  Vorbaues  nicht  fortwährend  erinnert  werden.  Sei  dem  nun  wie  ihm  wolle,  durch
den  Abbruch  des  letzteren  hat  der  Platz  einen  seiner  architektonischen  Reize  verloren.
Gegenüber  dem  Rathhaus  überragt  die  mächtige  zweithürmige  Stirnseite  der  Teynkirche
  einen  uralten  Vorbau,  der  unter  allen  Umständen  erhalten  bleiben  sollte,  weil  er
dem  Platze  und  dem  imposanten  Gotteshause  ein  charakteristisches  Gepräge  aufdrückt.
Zwischen  der  Teynkirche  und  dem  Rathhaus,  nicht  gerade  in  der  Mitte  des  Platzes,
erhebt  sich  die  schlanke  Mariensäule,  vor  deren  Heiligenbild  mit  angezündeter
Lampe  sich  abendlich  Gruppen  von  Andächtigen  zu  versammeln  und  fromme  Lieder
anzustimmen  pflegen.  Links  vor  dem  Winkel,  aus  welchem  das  Nikolaigäßchen  erst  zur
Altstädter  St.  Nikolauskirche  —  jetzt  dem  russischen  Gottesdienst  und  den  wenigen
Bekennen:  desselben  gewidmet  —  und  dann  weiter  in  die  finstere  enggassige  regellose
„Josephstadt"  führt,  befand  sich  ein  prachtvoller  Röhrkasten  aus  schönen,  mit  Figuren
im  Renaissancestil  gezierten  schwarz-rothen  Marmorplatten  zusammengestellt.  Er  wurde
in  den  Fünfziger-Jahren  aus  den  bei  modernen  Stadtvätern  so  beliebten  „Verkehrsrücksichten" ­
  abgebrochen  und  wurden  überdies,  damit  es  Niemand  in  Hinkunft  gelüste,  das
kunstvolle  Werk  wieder  herzustellen,  die  einzelnen  Marmortafeln  in  Stücke  zerschlagen  und
verschleppt.  Ein  oder  zwei  der  zertrümmerten  Überbleibsel,  die  sich  nach  der  Hand  doch
wieder  aufgefunden  haben,  kann  der  Kunstfreund  heute  im  Hofe  des  böhmischen  Landesmuseums ­
  sehen.
Der  zugemessene  Raum  gestattet  uns  nicht,  uns  in  das  Gewirre  der  kleineren
Plätze,  Gassen  und  Gäßchen  der  Altstadt  zu  verlieren;  wir  wiederholen  nur,  daß  sie  in
ihrem  städtischen  Gepräge  zumeist  den  alten  Typus  bewahrt  haben,  und  daß  sie  überhaupt
zum  größten  Theile  noch  heute  so  aussehen,  wie  sie  vielen  Generationen  vor  uns  erschienen
sind.  Es  sind  da  viele  Durchgänge,  krumm,  eng  und  finster,  auch  Säcke  und  stille  Winkel,
und  auf  jeden  zehnten  Schritt  fällt  Dir  eine  theilweise  bemalte  Stirnwand,  eine  bekrönte
Bedachung,  ein  Heiligenbild  oder  eine  profane  Sculptur  ober  dem  Eingang,  ein  altes
Hausschild  oder  hervorragendes  Jnnungszeichen  in  das  Auge,  von  dem  Du,  wenn  Dir
Sinn  und  Verständniß  für  derlei  traute  Dinge  eigen  sind,  wünschen  möchtest,  sie  mögen
mindestens  in  getreuem  Abbild  erhalten  und  gesammelt  werden,  ehe  sie  einem  früheren
oder  späteren  Neubau  zum  Opfer  fallen;  manche  dieser  Gegenstände,  namentlich  alte
Rahmenbilder,  Sculpturen  und  Schnitzwerke,  zierliche  Gitter  oder  Embleme  aus  Schmiedeeisen ­
  könnten  im  städtischen  Museum  einen  Ruheplatz  finden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.