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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Was das Verhältniß zum Reiche anbelangt, so wurde schon erwähnt, daß die 
Bestätigung des Böhmerfürsten dem Kaiser znstand, ebenso wie die Investitur des Landes 
bischofs. Im Lande selbst übte der Kaiser keinerlei Reichsgewalt aus. Der böhmische Tribut 
bestand ursprünglich, wie ehedem der sächsische, in 120 auserlesenen Ochsen und 150 Mark 
Silber; tatsächlich hörte diese Leistung wohl bei Verleihung der Königswürde an 
Vratislav II. (1086), formell unter Kaiser Friedrich II. auf (1212). Mit der Nachsicht 
des Tributs hängt die Stellung von 300 Söldnern zum Römerzuge zusammen. Der 
Böhmersürst war verpflichtet, über Berufung des Kaisers auf den Hoftagen zu erscheinen, 
wenn diese nahe an der Grenze Böhmens abgehalten wurden. Unmittelbaren Einfluß im 
Reiche erlangten die böhmischen Landesfürsten erst, seitdem sie das Reichsschenkenamt 
bekleideten und in das Wahlcollegium eintraten. Die Anfänge hiervon fallen in die Zeit 
des Fürsten Vladislav II. als König. So gelangten die böhmischen Landesfürsten zu 
immer größerer Geltung im Reiche, ohne daß dadurch ihre eigene Machtvollkommenheit 
in Böhmen selbst eine Einschränkung oder Einbuße erlitten hätte. 
Die populärste Erscheinung in der böhmischen Geschichte des XI. Jahrhunderts 
ist Fürst Bretislav, der Sohn des Fürsten Udalrich und der schönen Bozena, des Dorf 
mädchens von Krefehn. Als Theilfürst von Mähren hatte er Judith, eine Deutsche, zur 
Frau, die er in romantischer Weise aus dem Jungfernkloster Schweinfurt entführt hatte. 
Bald nach Besteigung des Fürstenstnhls unternahm er einen gleich romantischen Kriegs 
zug nach Großpolen, um den Leib des Märtyrers Vojtech-Adalbert von Gnesen zu holen. 
Glücklich brachte er die körperlichen Überreste des Heiligen nebst großen Beuteschätzen nach 
Prag, verwirkte jedoch durch die eigenmächtige That die Gnade des Papstes sowohl, 
als die des deutschen Königs. Letzterer griff zu den Waffen, erlitt jedoch im ersten Anprall 
eine schwere Niederlage in den Grenzwäldern von Taus, wo vor Jahrhunderten Dagoberts 
Austrasier von Samo geschlagen worden waren. Den Feldzug erneuernd, drang der König 
bis in die nächste Nähe der Burg Prag, worauf Bretislav sich unterwarf und fortan treu 
zum König hielt. Zu dieser Zeit fiel das polnische Schlesien an Böhmen. 
Bretislav gilt für den Schöpfer der Seniorats-Erbfolge in Böhmen, welche so viel 
Unheil über das Land brachte; ihm folgte sein Sohn Spytignev II. Sphtignevs Nachfolger 
wurde auf Grund des Ältestrechtes Vratislav II. Dieser hielt in dem Jnvestiturstreit 
zu Heinrich IV. und wurde dafür mit der Königswürde ausgezeichnet (1086). Während 
Vratislavs Regierung stand Böhmen in hoher Blüte; das Land selbst war reich an edlen 
Metallen; durch lebhaften Handel zeichneten sich die beiden Vorburgen Prag und Vysegrad 
aus; die deutsche Gemeinde am Prager Porte bestand zumeist aus Kaufleuten; reiche 
Juden gab es in den beiden Vorburgen; der Kaufhof (I)tn, Frohnhof, laeka mrrm) in der 
rechtsufrigen Prager Vorburg war der Sammelpunkt der auswärtigen Handelsleute.
	        
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