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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Massen  seines  Volkes  zu  erhalten  wußte.  Im  Gegensatz  zu  den  volksthümlichen  Heeren
Zizka's,  aus  denen  jene  böhmischen  Söldner  hervorgingen,  die  in  der  Folge  häufig  in
fremden  Diensten  die  Waffen  führten,  bestanden  die  deutschen  Kreuzheere  aus  buntgemischten ­
  Söldnerscharen  ohne  genügende  militärische  Organisation,  die  nur  für  Geld
kämpften  und  aller  religiösen  sowie  nationalen  Begeisterung  bar  waren,  denn  seitdem  der
große  deutsche  Einheitsstaat  in  zahlreiche  Zwergstaaten  zerfallen  war,  gab  es  kein
deutsches  Nationalbewußtsein  und  keine  deutsche  Heerverfassung  mehr.
Nach  Zizka's  Tod  dauerte  der  innere  Krieg  zwischen  den  Adeligen  und  Pragern
einerseits,  denTaboriten  und  Zizka's  Anhängern,  die  sich  jetzt  „Waisen"  nannten  und  gleich
ihm  an  der  Brotverwandlung  und  Heiligenverehrung  festhielten,  anderseits  fort  und
wurde  erst  durch  einen  Vergleich  im  October  1425  beendet.  Wiederum  erfochten  die  Husiten

Gedenktafel  von  14S7  mit  der  Bestätigung  der  Compactaten.

unter  dem  gewesenen  Mönch  Prokop  einen  Sieg  bei  Aussig  über  ein  großes  Heer  des
Kurfürsten  Friedrich  von  Sachsen  (Juni  1426).  Prokop  verschaffte  auch  den  Taboriten
nochmals  die  Herrschaft  in  Prag  selbst,  indem  er  den  bereits  im  Jahre  1422  von  den
gemäßigten  Utraquisten  zum  Verweser  Böhmens  erbetenen  Neffen  des  Großfürsten  von
Litthauen,  Siegmund  Korybut,  wegen  geheimer  Verhandlungen  mit  dem  Papste  gefangen
nahm  und  dessen  Hauptanhänger  vertrieb  (April  1427).  Prokop  war  es  auch,  der  eine  Reihe
Raubzüge  in  die  Nachbarländer  unternahm  (1426  nach  Österreich,  1427  nach  der  Oberlausitz
und  dem  westlichen  Schlesien,  1428  nach  Mähren,  Nordwestnngarn  und  Schlesien,  1429
nach  der  Ober-  und  Niederlausitz,  der  Mark  Meißen  und  nach  Sachsen,  dem  Voigtland,  Oberfranken ­
  und  der  Oberpfalz,  1430  abermals  nach  Mähren,  Ungarn  und  Schlesien).  Der
Zweck  dieser  ununterbrochenen  Kriegszüge  war,  seinen  des  Ackerbaues  und  Handwerks
völlig  entwöhnten  Scharen  durch  Raub  und  Plünderung  Lebensunterhalt  zu  verschaffen.
            
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