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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Die  fast  unaufhörlichen  Türkenkriege,  welche  Ferdinand  zu  führen  hatte,  sowie  seine
Betheiligung  an  der  deutschen  Politik  seines  Hauses  und  an  den  europäischen  Händeln
brachten  es  mit  sich,  daß  Ferdinand  nicht  allzu  oft  und  lang  in  Böhmen  weilte.
Wenn  es  aber  geschah,  so  hielt  er  gern  persönlich  Gericht,  wobei  ihm  freilich,  da  er  der
Landessprache  nicht  kundig  war,  die  Aussagen  der  Einvernommenen  ins  Lateinische  übersetzt ­
  werden  mußten  und  umgekehrt  seine  Aussprüche,  die  lateinisch  erfolgten,  in  die
Landessprache.  Die  meisten  Schwierigkeiten  erwuchsen  dem  neuen  König,  wie  seinen
unmittelbaren  Vorgängern,  aus  den  religiösen  Angelegenheiten.  Schon  in  den  ersten
Regiernngsjahren  Ferdinands  kam  in  dieser  Beziehung  eine  bedeutungsvolle  Veränderung
zum  Durchbruch,  indem  die  Utraquisten,  ohne  ihren  bisherigen  Namen,  unter  welchem
sie  gesetzlichen  Schutz  genossen,  abznlegen,  fast  sämmtlich  sich  dem  Lutherthum  zuwandten,
die  Brüder  aber  mehr  und  mehr  die  calvinische  Lehre  annahmen.  Ferdinand  konnte  dagegen
umsoweniger  etwas  ansrichten,  weil  er  sich  beständig  genöthigt  sah,  von  den  in  ihrer  Mehrzahl ­
  utraquistischen  Ständen  Geld  und  Truppen  für  den  Türkenkrieg  zu  verlangen,  dieselben
also  schon  im  eigenen  Interesse  schonen  mußte.  Doch  gelang  es  ihm  immerhin  schon
in  den  ersten  Jahrzehnten  seiner  Regierung,  die  unter  seinen  unmittelbaren  Vorgängern
arg  gesunkene  Königsmacht  wieder  etwas  zu  heben.  Gelegenheit  dazu  bot  ihm  unteranderem
  ein  an  sich  sehr  beklagenswerthes  Ereigniß,  der  Brand  der  königlichen  Burg  auf
dem  Hradschin  im  Jahre  1541,  bei  welchem  auch  ein  großer  Theil  der  Landtafel  mitvernichtet ­
  wurde.  Unter  den  Acten,  die  damals  zu  Grunde  gingen,  waren  auch  einige  der
demüthigenden  Urkunden,  welche  Ferdinand  bei  seiner  Thronbesteigung  hatte  unterzeichnen
müssen.  Ferdinand  sorgte  nun  bei  der  nothwendig  gewordenen  Erneuerung  derselben
dafür,  daß  nachträglich  das  Erbrecht  seiner  Gemalin  auch  urkundlich  anerkannt  wurde.
Die  Entscheidung  in  dem  bis  dahin  nur  versteckt  geführten  Kampfe  zwischen  dem
katholischen  König  einerseits  und  den  ntraquistisch  gesinnten  Stünden  anderseits  brachte
aber  der  auch  für  Deutschland  so  bedeutungsvolle  „Schmalkaldische  Krieg".  Ferdinand,
der  bei  sich  beschlossen  hatte,  seinen  kaiserlichen  Bruder  mit  aller  Macht  gegen  die  Häupter
des  Schmalkaldischen  Bundes  zu  unterstützen,  trug  kein  Bedenken,  vom  Landtag  eine
allgemeine  Bewaffnung  zu  verlangen,  zunächst  allerdings  unter  dem  Vorwand,  es  sei  ans
die  Türken  abgesehen.  Ferdinand  setzte  auch  seine  Forderung  durch,  als  aber  das  böhmische
Heer,  welches  sich  bei  Kaaden  gesammelt  hatte,  die  sächsische  Grenze  überschreiten  sollte,
verweigerte  ein  großer  Theil  den  Gehorsam.  Ferdinand,  der  wohl  einsah,  daß  ihm  mit  so
unzuverlässigen  Truppen  ohnehin  wenig  gedient  sei,  und  der  es  noch  nicht  aufs  äußerste
ankommen  lassen  wollte,  befahl  übrigens,  die  Widerspenstigen  ruhig  abziehen  zu  lassen.
Im  zweiten  Kriegsjahre,  1547,  welches  die  Entscheidung  bringen  sollte,  wagte  Ferdinand
einen  noch  kühneren  Schritt.  Ohne  einen  Landtag  zu  berufen,  wie  es  das  Herkommen
            
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