344
nach Böhmen und ließ sich am 12. Mai 1743 in Prag die Krone aufsetzen, die dann nach
Wien abgeführt wurde.
Wohl war Böhmen so zur alten Verbindung mit der österreichischen Monarchie
zurückgekehrt, aber noch waren auch für das Königreich die Heimsuchungen des Erbfolge
krieges nicht zu Ende. Da die Österreicher 1743 Baiern eroberten und in Italien siegreich
gegen die Spanier, in Deutschland gegen die Franzosen kämpften, griff der König von
Preußen neuerdings zu den Waffen, nicht eigenen Vortheils wegen, sondern um, wie er
in einem Manifest erklärte, „dem deutschen Reiche die Freiheit, dem Kaiser seine Würde,
Europa seine Ruhe wieder zu geben". Thatsächlich war die Besorgniß, ein allzu sehr
erstarkendes Österreich werde ihm Schlesien wieder entreißen, maßgebend, sowie denn der
König nicht vergaß, sich von dem Kaiser (Karl VII.) in einem geheimen Vertrag den Rest
Schlesiens und den Königgrätzer, Bunzlauer und Leitmeritzer Kreis in Böhmen zusichern
zu lassen.
Im August brach der König mit 80.000 Mann durch Sachsen und von Glatz
her in Böhmen ein und schon am 30. stand er vor Prag. Die Stadt war diesmal wohl
weit besser, mit 20.000 Mann besetzt, aber es waren zum größtentheil ungeübte Truppen
und der Commandant, General Harsch, verlor den Kopf. Als der König der Stadt mit
seinem schweren Belagerungsgeschütz, das er auf der Elbe und Moldau hatte herbeiführen
lassen, hart zusetzte, ergab sie sich und König Friedrich dehnte nun seine Stellungen
weit nach dem Südosten Böhmens aus. Aber die rasch herbeieilende österreichische Armee
warf sich, verstärkt durch sächsische Truppen, mitten in die Stellungen der Preußen hinein
und brachte ihnen schwere Verluste bei, ohne dem König die Gelegenheit zu einer glücklichen
Schlacht zu bieten. Die Bevölkerung zeigte sich von Anfang an trotz der freundlichen Ver
sicherungen des Königs, denen freilich die Thaten nicht entsprachen, durchaus feindselig.
So blieb ihm bald nichts übrig, als Prag (21. November) und ganz Böhmen zu räumen.
Freilich gingen im nächsten Jahre auch die Hoffnungen Maria Theresia's ans Wieder-
erobernng Schlesiens zu Folge der unglücklichen Schlacht bei Hohenfriedberg nicht in
Erfüllung. Ja der König drang wieder in Ostböhmen ein und behauptete sich auch in dem
Treffen bei Soor siegreich. Der Friede zu Dresden stellte dann den Besitzstand vor dem
Kriege wieder her. Doch anerkannte König Friedrich den Großherzog Franz Stefan, der
inzwischen zum deutschen Kaiser gewählt worden war, in dieser Würde.
Böhmen, das in diesen Jahren neuerdings schwer gelitten hatte — das Stift
Braunau berechnete z. B. allein seinen Schaden von 1740, besonders 1744, bis 1746 auf
662.947 fl., — blieb während der weiteren Dauer des Erbfolgekrieges von feindlicher
Invasion frei. Die Militärlasten wurden freilich auch für Böhmen je länger um so uner
träglicher. Dafür gereichte die nachfolgende reformatorische Thütigkeit der Monarchin dem