Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

367

Folgendes:  die  jetzige  Bevölkerung  Böhmens  (Cechen  und  Deutsche)  erscheint  in  dieser
Hinsicht  ganz  oder  doch  im  hohen  Grade  ähnlich.  Dr.  Weißbach  hat  schon  vor  Jahren
einige  böhmische  Schädel  gemessen  und  die  Schädeltypen  verschiedener  österreichischer
Nationalitäten  verglichen.  Nach  ihm  und  nach  anderen  neueren  Untersuchungen  erscheint
der  Typus  eines  böhmischen  Schädels  folgendermaßen:  der  Kopf  ist  groß,  ebenso  auch  die
Gehirnhöhle.  Nach  einer  anderen  Arbeit  desselben  Autors  haben  die  Böhmen  unter  allen
österreichischen  Völkern  das  größte  und  schwerste  Gehirn.  Der  Hintertheil  des  Schädels,
wo  die  Pfeil-  und  Lambdanaht  zusammenkommen,  weist  bei  den  böhmischen  Schädeln
manchmal  eine  bedeutende  Depression  auf.  Das  Hinterhauptbein  ist  stach  und  senkrecht,
hinter  dem  Gehörgange  verhältnißmäßig  kurz.  Das  Gesicht  wurde  früher  als  nicht  sonderlich
hoch  geschildert,  was  auch  eine  verhältnißmäßig  geringe  Höhe  der  Kieferknochen,  der
Nasen-  und  Augenhöhlen  zur  Folge  haben  sollte.  Man  hielt  noch  vor  kurzem  schmale
Augenhöhlen  und  eine  breite  Nasenapertur  für  ein  Charakteristikon  des  böhmischenSchädels.
Aber  unsere  neueren  Untersuchungen  an  einer  Reihe  der  ostböhmischen  schädel  von
Senftenberg  haben  das  Gegentheil  gezeigt,  besonders  bei  den  Weibern.  Die  Augenhöhlen
sind  ziemlich  hoch,  die  Nasenapertur  mittelbreit,  das  Obergesicht  schmal,  so  daß  wir
wenigstens  für  einige  Gegenden  einen  vom  oben  geschilderten  abweichenden  -vypus
zugestehen  müssen.  Der  Gehirnschädel  ist  ziemlich  hoch  und  zeichnet  sich  weiter  durch
eine  starke  Schläfenbreite,  die  sich  beim  Anblick  von  vorne  als  ein  starkes  Hervortreten
der  Contour  äußert,  aus.  Beim  Anblick  von  oben  erscheint  der  Schädel  im  Verhültniß  zur
Breite  kurz,  so  daß  er  manchmal  beinahe  rund  genannt  werden  kann.
Die  Anthropologie  drückt  ähnliche  Verhältnisse  bei  der  Schädelbildung  durch
Zahlen  -  sogenannte  Jndices  -  aus,  in  diesem  Falle  durch  den  Längenbreitenindex,  den
wir  hier  des  Verständnisses  halber  erklären  wollen.  Dieser  Index  ist  eine  Zahl,  die  die
relative  Breite  des  Schädels  ausdrückt.  Seine  Zahl  erhalten  wir,  wenn  nur  die  Lange
des  Schädels  (das  ist  die  Länge  von  der  sogenannten  Glabelle  zwischen  den  Supraorbitalbogen ­
  bis  zum  hintersten  Punkte  in  der  Medianlinie)  gleich  100  setzen  und  die  entsprechende
Breite  aussuchen.  Wenn  zum  Beispiel  die  Länge  des  Schädels  180  Millimeter  und  die
Breite  150  Millimeter  beträgt,  so  wird  die  relative  Breite,  wenn  nur  180  auf  100
reduciren,  83  33  betragen.  Diese  Zahl  ist  der  Längenbreitenindex,  aus  welchem  man  beim
ersten  Blick  ersieht,  ob  der  Schädel  lang  oder  kurz  sei.  Dadurch,  daß  wir  alle  gemessenen
Schädel,  die  sonst  verschiedene  Längen  und  Breiten  Hütten,  auf  eine  gemeinsame  Dimension,
nämlich  die  Länge  100,  zurückführen,  können  wir  sie  auch  untereinander  vergleichen.  Und
da  hat  man  gefunden,  daß  die  Schädel  in  dieser  Beziehung  häufig  bedeutend  von  einander
abweichen:  daß  es  gewisse  Völker  gibt  und  früher  gab,  bei  denen  der  Schädel  im  Verhältniß
  zu  jenem  anderer  Völker  breiter  oder  schmäler  ist,  und  daß  diese  Gestalt  bei  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.