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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Unrecht bald vergißt. Seit jeher haben die Böhmen an sich selbst bemerkt, daß sie den 
Landsmann nicht so sehr schätzen wie den Fremden und daß sie namentlich in der Tracht 
und sonst auch in mancher oft unschönen Gewohnheit dem Fremden folgen. 
Im Allgemeinen bildet Gutherzigkeit den Grundzug des böhmischen Charakters, 
daneben große Vertrauensseligkeit auch dem Feinde gegenüber. Wird der Böhme aber 
beleidigt oder hintergangen, so ist er znm Widerstand entschlossen und unnachgiebig, so 
daß der „böhmische harte Schädel" sprichwörtlich geworden ist. Aus der Gutherzigkeit 
entspringt auch die Gastfreundschaft und ein inniges Familienleben. Gastfreundlich war 
der Böhme immer. Einst war der Fremde auf dem Gute noch willkommener als 
heutzutage, mochte es nun ein Drahtbinder sein, der nach dem Nachtmahl den Kindern 
Märchen erzählte, oder ein anderer Wanderer, der Neuigkeiten aus der Fremde brachte und 
von seinen eigenen oder von fremden Abenteuern oder auch launige Geschichtchen erzählte. 
Bis zur Meisterschaft brachten es hierin die wandernden Miihlburschen (ürgMirkovö), die 
durch ihre Possen bekannte typische Figuren geworden sind. 
Das Volkslied gibt die in der Familie herrschende Liebe wieder, wie auch jene 
zärtlichen Ausdrücke, mit denen die Mutter ihr Kind an der Wiege und im Gespräch 
anredet und die man häufig in eine fremde Sprache nicht übersetzen kann, ohne daß 
sie viel von ihrer Zärtlichkeit verlieren. Sie sind durchaus nicht blos ein gekünstelter 
Reflex des herzlichen böhmischen Familienlebens. Aber in den Dörfern werfen häufig 
die unerfreulichen Verhältnisse zwischen dem Wirth und dem Ausgedinger ihren Schatten 
ans das letztere. Auch die Nachbarschaftsverhältnisse sind gewöhnlich in einem böhmischen 
Dorfe herzlich und aufrichtig, so daß man hier, wie in einer einzigen Verwandtschaft, nur die 
Ansprachen ,ünrotr6" (Gevatter), ^motrieicu- (deminutiv), „ümotriLÜo« (Gevatterin), 
„ZtrsMu« (Vetter), Zotieüo« (Tante) hört, obgleich heute auch hierin so manche Ver 
änderung vor sich geht. Das Dützen zwischen den Älteren und Jüngeren und unter Alters 
genossen ist nicht mehr so allgemein wie früher, und neben dem treuherzigen »ümotro«, 
,streMu",hört man schon, namentlich in reicheren Gegenden, das städtische »pa-ro" (Herr). 
Im Kampfe ist der Böhme tapfer. Seine Geschichte ist eine Kette von Kümpfen, 
seine Tapferkeit hat er nicht blos in früheren Zeiten in Kämpfen mit oft stärkeren 
Feinden, sondern auch in neuerer Zeit auf so manchem Schlachtfelde bewährt, und er kann 
ans Heerführer weisen, die in der Kriegsgeschichte den besten Ehrenplatz einnehmen. Der 
böhmische Soldat ist ausdauernd, kühn und muthig und bewährt sich namentlich dort, 
wo eine größere Intelligenz erforderlich ist, zum Beispiel beim Geniewesen und bei der 
Artillerie. 
Mythen, Märchen und Sagen. Das böhmische Volk besitzt einen großen 
Schatz von Märchen, Mythen und Sagen. Manche sind ein Erbstück aus uralten Zeiten,
	        
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