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Eiche ergrünen und die Quelle beim Felsen wird so wasserreich, daß sie als Gießbach
hinunterströmt. Dann wird sich der Blanik aufthun und die Ritter, geführt vom heiligen
Wenzel, werden in den Kampf ziehen. Und es wird ein so wüthender Kampf entbrennen,
daß das Blut wie ein Strom von Strahov bis zur steinernen Karlsbrücke fließt, und in
diesem Kampfe wird der heilige Wenzel alle Feinde vernichten. Nach einer Variante wird
dieser schreckliche Kampf auf dem Berge Svidnlk in der Umgebung von Pilgram aus
gekämpft werden. Ähnliche Sagen wie vom Blanik werden auch von dem erwähnten
Berge Oskobrh, von dem waldreichen Berge Turov in der Umgebung von Nachod erzählt.
Aus der späteren Zeit des Christenthums kennt die böhmische Sage den heiligen
Wolfgang, den heiligen Adalbert, den Abt des slavischen Klosters zu Sazava, Prokop, der
Teufel bändigte und vor den Pflug spannte und den deutschen Mönchen nach seinem Tode
als Geist erschien.
Von dem ruhmreichsten böhmischen König, Karl IV., erzählt sich das Volk, wie mit
Karl die Wiege wuchs, bis sie zu einem Bett wurde (dieses befand sich ans seiner-
berühmten Burg Karlstein) und wie dieses nach seinem Tode Niemanden auf sich ruhen ließ
und Alle herabwarf. Auch die Sage von dem fabelhaften Schatze des Opatovitzer Klosters
berührt hauptsächlich Karl IV.
Aus den gewaltigen husitischen Kämpfen hat die böhmische Volkstradition am
lebhaftesten das Andenken an den gewaltigsten der Kämpfer — Johann Zizka von
Trocnov — bewahrt. Von dem blinden Helden circuliren im Volke verschiedene Sagen,
wie er unter einer Eiche geboren wurde, wie er erblindete, wie er als Blinder den stärkeren
Feind mit Gewalt und Kriegslist überwältigte, wie er die Burgen seiner Feinde niederriß
und schließlich wiederum unter einer Eiche starb. Seine Kriegsthaten haben sich tief in
das Gedächtniß des Volkes eingeprügt. Noch heute zeigt das Volk die Stätten, nicht blos
wo Zizka geboren wurde und starb, sondern auch wo er einmal Halt machte, sein Lager
aufschlug, unter einem Baume ausruhte oder wo er sein Mahl einnahm. Daher finden wir
in verschiedenen Gegenden bald einen Zizkafelsen, bald einen Zizkatisch und eine Zizkalinde.
Der Glaube an seine Stärke streifte schon an den Aberglauben, wie man daraus ersehen
kann, daß zu der Eiche, wo er geboren ward, die Leute aus der Ferne Pilgerten, um sich
einen Ast oder ein Scheit ans ihrem Stamme zu einem Beil- oder Hammerstiel zu holen,
weil man allgemein glaubte, daß Werkzeuge mit solchen Stielen besonders wirksame und
mächtige Schläge ertheilen würden. Die Sage von der mit Zizkas Haut überzogenen
Trommel, bei deren bloßem Schall schon die Kreuzfahrer und andere gegen die Böhmen
ausgerüsteten Feinde davonflohen, ist dem böhmischen Volke wohlbekannt, aber wahr
scheinlich ist nicht das Volk selbst ihr Urheber, sondern sie gelangte zu ihm ans der Chronik
des Aeneas Silvius und durch Hajek.