Durch Wirthschaftstheilungen entstanden Halblähner, Drittlähner und Viertelbauern.
Gewöhnlich zerfallen die Eigentümer des Dorfgrnndes in Groß-, Mittelbauern und
Chalnpner. Der Chalupner hat gewöhnlich höchstens 20 Strich. Mehr als ein Chalupner,
aber weniger als ein Ganzlühner hat ein Mittelbauer (in manchen Gegenden ^alrrnämlc
genannt). Der Eigenthiimer eines Torfhäuschens ohne Grund und Boden heißt ein
Häusler (ckomüür). Derjenige, der weder Grundbesitz noch Hänschen hat und gewöhnlich
beim Bauer wohnt, dem er namentlich bei der Feldarbeit aushilft, heißt pockrnlr (Hausmann).
Die Bauern, Chalupner und Häusler haben jetzt ihre Häuser gemischt nebeneinander.
Doch gab es bis in die jüngste Zeit Dörfer, besonders auf den Torfgriinden bei
Veseli, in denen die Bauernhäuser für sich („im Dorfe"), wie auch die Chalnpen („in
den Chalnpen") gesondert waren.
Die Felder der böhmischen Dörfer Pflegen auf zweifache Art getheilt zu sein.
Entweder ziehen sich die Feldstreifen als ein einheitliches Ganzes gleich hinter dem
Wirtschaftsgebäude hin, und das ist am häufigsten der Fall, oder es ist der zu einem Dorfe
gehörige Grund in kleinere Stücke, die mannigfach liegen, getheilt. Die Stücke und Stückchen
sind durch Theiluugen des ursprünglichen Stammeigenthums entstanden, und gerade diese
Zersplitterung wie auch die runde Form des Dorfes zeugen von dem uralten Ursprung
eines solchen Familiendorfes. Dagegen sind Dörfer, deren Grund in zusammenhängende,
regelmäßige Streifen, die sich gleich hinter dem Gehöfte bis an die Peripherie des Dorfgebietes
erstrecken, getheilt ist, meist jüngeren Ursprungs. Doch selbst auch darunter
gibt es viele uralte Familiendörfer; sie haben nur durch das Emphyteutisiren ihre Gestalt
verändert, oder auch dadurch, daß der Gesammtgrund, nachdem die Zersplitterung durch
fortwährende Theiluugen den höchsten Grad erreicht hatte und man zu den einzelnen
Stücken nur sehr schwer gelangen konnte, in solche Feldstreifen getheilt wurde.
Neben dem einzelnen Eigeuthümern gehörigen Grund gibt es auch bei den böhmischen
Dörfern Gemeindeland (obeina, obeo), welches das ursprüngliche slavische Familiendorf
nicht hatte. Einen Theil dieses Gemeindelandes, welches seit dem vorigen Jahrhundert
immer mehr und mehr zusammenschrumpft, indem es die Nachbarn untereinander vertheilen
oder Theile davon verkauft werden, bilden der Gemeinde-Anger (ckralra) und
Hutweiden.
Die böhmischen Dörfer wurden einst durchwegs aus Holz gebaut, wie denn überhaupt
damals auch so manche Burg und Kirche aus demselben Material war. Heutzutage
sind freilich die aus Holz gebauten Kirchen eine Seltenheit, wie zum Beispiel jene in
Kock bei Chrudim, in Rehberg bei Reichenau, in Slavonov bei Neustadt an der Mettau
und in Rousinov bei Rakonitz. Zahlreicher sind in den Dörfern hölzerne Glockenthürme,
die zumeist nur bescheidene Dimensionen haben, aber in ihrer Art charakteristisch sind,