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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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auch  durch  Reichhaltigkeit  der  Malerei  die  gemalten  Möbel  aus  dem  südlichen  Böhmen
übertreffen.
Neben  der  Stube  Pflegt  ein  Stübchen  (svokinoün,  seäniekm,  prlstüneü,  vMnpoü),
manchmal  auch  Kammer  (üonrora)  genannt,  zu  sein,  ohne  Ofen  und  häufig  auch  ohne
gedielten  Fußboden.  In  diesem  Stübchen  befinden  sich  die  Betten,  Truhen,  und  es  wird
hier  auch  das  kleinere  Geschirr  aufbewahrt.  Auf  der  anderen  Seite  der  Stube  gegenüber
ist  in  der  Regel  die  Kammer  —  manchmal  auch  zwei  —  gewöhnlich  ohne  Fenster,  die
zu  ähnlichen  Zwecken  wie  das  erwähnte  Stübchen  verwendet  wird.  Zuweilen  dient  sie
mehr  als  Speisekammer  oder  als  Aufbewahrungsort,  hier  und  da  macht  man  aus  ihr
ein  schönes,  reines  Stübchen  (Miner  Kreis).  Im  östlichen  Böhmen  pflegt  sie  ausgemauert
zu  sein  und  heißt  „üninsinos«;  hier  bewahrt  die  Wirthin  hauptsächlich  die  Milch.  Im
Westen  heißt  sie  »sülop-,  obgleich  sie  nicht  gewölbt  ist,  sondern  nur  eine  starke  eichene
Decke  hat,  die  manchmal  mit  Lehm  gründlich  belegt  ist,  um  dem  Feuer  mehr  Widerstand  zu
leisten.  Aus  ihr  kommt  man  in  die  Häckselkammer  und  aus  dieser  in  die  Stallungen;
zuerst  kommt  der  Pferdestall,  dann  der  Rinderstall  und  hinter  diesem  manchmal  noch  der
Schafstall.
Eine  ähnliche  Eintheilung  finden  wir  auch  in  den  neueren  gemauerten  Gebäuden.
Ihre  Stuben,  die  häufig  gemalt  anzutreffen,  sind  freilich  bequemer,  aber  wir  vermissen  darin
so  manches,  was  uns  durch  seine  Art  in  der  Stube  des  älteren  Bauernhofes  fesselte.  An
diesen  neueren  Wirtschaften  kann  man  sehen,  welchen  Fortschritt  der  böhmische  Landmann
in  jüngster  Zeit  gemacht  hat.  Alles  ist  mehr  modern,  auf  dem  Hofe  gibt  es  neue  und  zahlreiche ­
  Maschinen,  bequemere  Wirtschaftsgebäude.  In  manchen  Gegenden,  in  der  Umgebung
von  Königgrätz,  Kolin,  Raudnitz  finden  wir  Bauernhäuser,  die  mit  ihrer  Einrichtung
so  manches  städtische  Hauswesen  übertreffen.  Neben  moderner  Einrichtung  sind  auf  einem
größeren  Gute  das  Clavier,  gute  Stiche  an  den  Wänden,  freilich  auch  Farbendrucke  von
zweifelhaftem  Werth  und  eine  ansehnliche  Bibliothek  von  ökonomischen,  politischen  und
Unterhaltungsschriften  keine  allzu  große  Seltenheit.
Das  Leben  auf  einem  böhmischen  Bauerngute  hat  einen  familiären  Charakter.  Das
Gesinde  nennt  den  Bauer  „IioZpoäär",  die  Bäuerin  „llosxoäzmöN  doch  häufig  auch  so
wie  seinen  Vater  und  Mutter  „pnntütwfi  „xainrnümn".  Der  alte  Ausgedinger  lebt
entweder  mit  der  Familie  des  jungen  Wirthes  in  demselben  oder  in  einem  eigenen  Gebäude,
das  „elnUoupkn",  „v^moiroü"  genannt  wird.  Es  kommt  auch  vor,  daß  die  Brüder  und
Schwestern  des  Wirthes,  indem  sie  auf  dem  Gute  intabulirte  Antheile  haben,  mit  seiner
Familie  wohnen,  so  lange  sie  nicht  anders  versorgt  sind,  und  dann  erinnert  eine  solche,
oft  ziemlich  zahlreiche  Familie  gewissermaßen  an  die  alte  Familie  der  ursprünglichen
böhmischen  Einrichtung.
            
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